Das Thema Wohnen darf im Wahlkampf nicht fehlen. Statt auf Verbesserungen beim Mieterschutz und eine Wiederherstellung bundesrechtlicher Kompetenzen beim Sozialen Wohnungsbau zielen die Programme der Parteien in erster Linie auf Steuerbegünstigungen für Investoren und die Förderung von Wohneigentum ab. Programmatische Vorstöße, die geeignet wären, die Probleme der Mieter/innen in den Großstädten und Ballungszentren substanziell zu beheben, sucht man vergebens. Wer auch immer mit wem nach der Bundestagswahl regieren wird – ein konsequentes Vorgehen gegen Wohnungsmangel und explodierende Mietpreise ist nicht vorgesehen.
Was Veränderungen beim Mietrecht angeht, so ist sehr fraglich, worauf sich Mieter/innen nach der Wahl einstellen müssen. Große Erwartungen sollten sie vermeiden. Selbst die Zukunft der in der aktuellen Legislaturperiode erst eingeführten Mietpreisbremse ist ungewiss. Statt einer Verbesserung ist nun gar ihr rasches Ende nicht mehr auszuschließen. Die von der CDU geführten neuen Landesregierungen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein kündigten bereits an, sie in Zukunft nicht weiter anwenden zu wollen. Begründet wird die Abschaffung der Mietpreisbremse mit ihrer Wirkungslosigkeit. Das Argument, das für eine Verschärfung spricht, wird nun umgedreht. Diese Verschiebung muss auch auf Bundesebene befürchtet werden. Zwar hält die SPD in ihrem Wahlprogramm weiter an der Mietpreisbremse fest und plädiert für eine Verschärfung. Jedoch ist zu beachten, dass die aus dem Hause ihres Justizministers Heiko Maas angestrebte zweite Mietrechtsnovelle bereits im Herbst vergangenen Jahres auf Eis gelegt wurde, da die Parteien der großen Koalition keine Einigung erzielen konnten. Ob und in welcher Form eine weitere Novellierung des Mietrechts auf die Agenda der kommenden Bundesregierung gelangen wird, steht in den Sternen. Damit ist auch ungewiss, wie es mit der Mietpreisbremse und den Plänen für weitere, in den vergangenen Jahren zumindest andiskutierte Änderungen zugunsten der Mieter/innen weitergeht. Die CDU hält sich bedeckt, und die FDP stand Instrumenten wie der Mietpreisbremse schon immer feindlich gegenüber. Bündnis 90/Die Grünen bekennen sich nach wie vor programmatisch zur Mietpreisbremse. Ebenso wie die Partei Die Linke setzten sie sich im Bundestag für eine Verschärfung ein – aus der Opposition heraus, wohlgemerkt. Die Beteiligung der Grünen an der „Jamaika-Koalition“ in Schleswig-Holstein hinterlässt angesichts zu erwartender Koalitionsbildungen im Bund gerade in diesem Punkt einen bitteren Nach- bzw. Vorgeschmack.
