Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 16.07.2019

Transnationale Proteste gegen Blackstone

Einige junge Tourist/innen aus Spanien waren erstaunt, als sie am Donnerstagnachmittag am Berliner Gendarmenmarkt eine Gruppe von Menschen sahen, die Schilder mit der Aufschrift „Stop desahucios“ trugen. Es ist das spanische Wort für Zwangsräumung und wurde nach der Krise in Spanien zum Schrecken für viele zigtausend Menschen, die aus ihren Wohnungen geworfen wurden. Viele hatten für den Kauf einer Eigentumswohnung Hypotheken bei Banken aufgenommen, verloren in der Krise ihre Arbeit und konnten die Kredite nicht mehr bedienen. Darauf begann eine Welle von Zwangsräumungen in ganz Spanien, die auch zur Politisierung vieler Menschen beitrugen. Die Plattform für Hypothekenbetroffene (PAH), in der sich viele Tausende von Zwangsräumung bedrohter Menschen organisierten, wurde zu einer der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Organisationen in Spanien in den Jahren der Krise. Es gelang durch die Proteste Räumungen zu verhindern, doch sie wurden nie gestoppt. Dafür konnte auch die 2014 ins Amt gewählte Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau, nicht verhindern, die vorher in der PAH aktiv war.  

Solidarität mit Las Kellys
Eine Zwangsräumung droht auch 10 Familien im Stadtteil Raval in Barcelona, darunter sind Rentner/innen, die seit vielen Jahren in den Häusern wohnen. Für diese Zwangsräumung ist Blackstone verantwortlich, einer der weltweit größten Immobilienfonds. In Berlin gehören Blackstone mindestens 2500 Wohnungen, außerdem hält der Fond einen Anteil von 40 % an der Hotelkette Hilton. Daher meldete das Berliner Bündnis gegen Zwangsräumung am Donnerstagnachmittag die Protestkundgebung vor dem Hilton-Hotel am Gendarmenmarkt an. Auch einige Mitglieder der "Grupo de accion sindicales (Gas)" hatten die Kundgebung mit vorbereitet. Es handelt es sich um Menschen, die vor mehr als zehn Jahren während der Krise von Spanien nach Deutschland kamen und sich hier politisierten. „In der ersten Zeit konzentrierten wir unsere Arbeit vor allem auf Rechtsberatung für die Spanier/innen in Berlin. Doch das machen mittlerweile auch die DGB-Gewerkschaften. Jetzt richten wir unseren Fokus auf den Kampf gegen prekäre Arbeitsbedingungen in der Berliner Gastronomie, weil dort viele Spanier/innen arbeiten“, erklärte ein Aktivist gegenüber MieterEcho online. Die Gruppe wird Fotos vom Berliner Protest auch an die spanische Organisation „Las Kellys“ weiterleiten, in der das Hotelpersonal für bessere Arbeitsbedingungen kämpft. Die überwiegende Mehrheit der ca. 3000 Mitglieder sind Frauen, die die Hotelzimmer reinigen. Die Präsidentin der "Las Kellys", die 40-jährige, aus Uruguay stammende Myriam Barros wurde im März 2019 auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin mit dem To Do Award Human Rights in Tourism ausgezeichnet. Einen Award konnten die Protestierenden am Donnerstag nicht verleihen, aber Grüße mit den Protestfotos sehr wohl. „Wir wollen mit dieser Protestaktion zeigen, dass der Kampf um eine Wohnung und der Kampf für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen zusammengehören und dass dieser Kampf keine Ländergrenzen kennt“,  erklärte Tim Riedel vom Bündnis gegen Zwangsräumung in Berlin. 

Peter Nowak

 

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