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MieterEcho online 10.09.2019

Senat startet „Bürgerdialog“ zum Hochhausleitbild

Mit einem „Hochhausleitbild“ will der Berliner Senat die Grundlagen für den Bau neuer Hochhäuser in der Stadt schaffen. Bislang spielen Gebäude, die die klassische „Berliner Traufhöhe“ von 21 Metern um mehr als 50 Prozent übersteigen kaum eine Rolle – es sind nur 0,35 Prozent aller 370.000 Gebäude in der Stadt. Und nur 120 Gebäude weisen eine Höhe von 60 Metern und mehr auf. Und viele Bürger vor allem im innerstädtischen Bereich, aber auch Architekten und Stadtplaner,  sind der Meinung, dass das auch so bleiben soll. Sie befürchten eine Verschlechterung der Wohnqualität, vor allem durch Verschattung und negative Auswirkungen auf das Wohnumfeld und die Gesamtstruktur gewachsener Quartiere.
Für das 2016 im Koalitionsvertrag der „rot-rot-grünen“ Landesregierung  vereinbarte "Hochhausleitbild“ liegt seit Juli ein erster Entwurf vor. Seitdem fanden einigen Fachforen mit Verbänden und  Bezirken statt. Nunmehr soll auch die Öffentlichkeit einbezogen werden und im Spätherbst wird sich das Abgeordnetenhaus mit dem Leitbild beschäftigen.
Mögliche Standorte wurden bislang nicht benannt. Zum einen wolle man den verschiedenen Beteiligungsprozessen unter Einbeziehung der Bezirke, der Fachverbände und der betroffenen Bürger nicht vorgreifen, so Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Montagabend auf einer gut besuchten Informationsveranstaltung in der Stadtwerkstatt in Berlin-Mitte. Außerdem habe man die Befürchtung, dass frühzeitige Standortdebatten die Bodenspekulation weiter anheizen würden.

Ohnehin wird es noch viele Jahre dauern, bis mit dem Bau oder auch nur der Planung neuer Hochhäuser auf Grundlage des Leitbildes begonnen werden könnte. Das Leitbild enthält vor allem allgemeine Prüfkriterien wie Belange des Natur- und Denkmalschutzes und die Verkehrsanbindung. So soll kein Hochhausbewohner länger als fünf Minuten Fußweg zu einer S-, U- oder Straßenbahnhaltestelle haben. Für Hochhausbauten über 60 Meter gilt das Prinzip der Multifunktionalität, es soll keine reinen Wohn- oder Bürotürme geben, und sowohl Erd- als auch Dachgeschosse sollen für Einrichtungen genutzt werden, die auch für Anwohner öffentlich zugänglich sind. Hochhäuser seien „kein Selbstzweck, sondern sollen einen Mehrwert für die Stadt generieren“, umriss Lüscher die Grundidee. Sie müssen „eine besonders hohe architektonische Qualität aufweisen“, nachteilige Auswirkungen auf das Umfeld seien umfassend zu kompensieren.

Für Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) spielen die vielfältigen Partizipationsprozesse bei der Planung eine entscheidende Rolle, um eine entsprechende Akzeptanz zu erreichen. Das Leitbild skizziert dafür vier Phasen: Die Bürgerbeteiligung vor Ort in Verbindung mit der gesamtstädtischen Betrachtung steht am Anfang. Es folgen der Vorentwurf eines Bebauungsplans (B-Plan) und ein städtebaulicher Wettbewerb. In der dritten Phase geht es um die Bürgerbeteiligung beim B-Plan, einen Realisierungswettbewerb und schließlich die Festsetzung des B-Plans, der in der Regel den Bezirken obliegt. Anschließend kann ein Bauantrag gestellt und nach entsprechender Prüfung genehmigt werden, der ebenfalls breit mit den Anrainern diskutiert werden soll. An allen Phasen wird auch das Baukollegium beteiligt, ein vom Land Berlin eingesetztes Expertengremium aus Stadtplanern, Architekten und Landschaftsplanern, welches das Land bei allen Projekten mit übergeordneter städtebaulicher Bedeutung beraten soll. Bürger sollen zudem die Möglichkeit erhalten, Kritik und Vorschläge auf einer speziell dafür eingerichteten Online-Plattform vorbringen zu können

Wie lange dieser aufwändige Prozess jeweils dauern wird, konnte Lüscher nicht genau benennen, es komme immer auf „die jeweiligen Besonderheiten des Projektes an“. Fünf Jahre werden es aber wohl mindestens sein, und erst dann könnten die eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Und selbst diese Zeitspanne erscheint angesichts der in Berlin sattsam bekannten Partizipations- und Planungsstaus nebst mitunter hinhaltendem Widerstand der Bezirke sehr optimistisch kalkuliert.

Rainer Balcerowiak

 

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