Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter

MieterEcho online 28.11.2019

Amazon ist kein guter Nachbar

Am Mittwochabend trafen sich in Berlin die GegnerInnen des Internetkonzerns zur Kampagnenvorbereitung

Ein 38stöckiges Hochhaus steht in unmittelbarer Nähe des S-Bahnhofs Warschauer Brücke. Bisher handelt es sich noch um eine Simulation. Doch in wenigen Jahren könnte noch ein weiteres Gebäude für Menschen mit viel Einkommen Wirklichkeit werden. Unter dem Namen Edge East Side wird es schon in Immobilienkreisen beworben. Der Investor Edge Technologies hat solche Hochhäuser bereits in zahlreichen europäischen Städten entwickelt und will sich von der Politik möglichst wenig in die Pläne reinreden lassen. Nachdem der Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt einen neuen Wettbewerb für den 140 Meter hohen Turm eingefordert hat, reagierte der Gründer von Edge Technologies Coen van Oostrom höchst ungehalten. Man habe immer eng mit zuständigen Behörden und den Berliner Senat zusammengearbeitet und das Baurecht bekommen, erklärte von Oostrom. „Wie bei vielen anderen Nobelprojekten hat der Berliner Senat in den letzten 20 Jahren in den unterschiedlichen politischen Konstellationen auch hier den Investoren den roten Teppich ausgerollt“, erklärte am Mittwochabend ein Vertreter der Initiative Make Amazon Pay. Sie hat sich vor einigen Jahren gegründet, um Amazon-Beschäftigte bei ihrem Kampf um einen Tarifvertrag außerbetrieblich zu unterstützen. Dass sich Make Amazon Pay nun auch gegen den geplanten Eight-Tower an der Warschauer Brücke engagiert, liegt an den MieterInnen. Denn 28 der anvisierten 35 Etagen des Hochhauses sollen von Amazon bezogen werden. Dort sollen 3500 Arbeitsplätze entstehen. Dabei handelt es sich vor allem um gut bezahlte ProjekteentwicklerInnen. Die Befürchtung der Amazon-KritikerInnen ist groß, dass die dann wiederum in relativer Nähe zu ihren Arbeitsplätzen teure Lofts beziehen werden, was zu einer weiteren Aufwertung des Stadtteils beiträgt

Konstantin von der Kreuzberger Stadtteilinitiative Bizim Kiez nannte die Aktivitäten von Konzernen wie Amazon Webtechurbanismus.  Das bedeutet auch einen engen Schulterschluss von PolitikerInnen und Techkonzernen, die sich als modern, divers und ökologisch präsentieren. Zudem verschmelze in diesen Konzernen Freizeit und Lohnarbeit immer mehr. Es gibt viele Wohlfühlzonen und Yoga für die MitarbeiterInnen, die in der Hierarchie weiter oben stehen. Dafür wird aber auch verlangt, dass die Beschäftigten immer einen glücklichen Eindruck machen. Die Mehrzahl der schlechtbezahlten Arbeitsverhältnisse, auf denen der digitale Kapitalismus basiert, werden in der Regel nicht erwähnt.

Amazon-KritikerInnen wollen sich New York als Vorbild nehmen

Die Berliner Amazon-KritikerInnen wollen sich New York zum Vorbild nehmen, wo StadtteilaktivistInnen die Ansiedlung eines Amazon-Standortes verhinderten. „Der Konzern will schlechte Nachrichten vermeiden und hat sich dann für einen Standort in einer anderen Stadt entschieden“, berichtete der Vertreter von Make Amazon Pay, der die Proteste in den USA begleitete. Die Grundlage des Erfolgs sei die Beteiligung von StadtteilaktivistInnen, aber auch durch eine kluge Bündnispolitik. Einerseits habe man Teile der Demokratischen Partei in New York mit ins Boot geholt, andererseits sich auch von den Gruppen der außerparlamentarischen Linken nicht abgegrenzt. Ein ähnliches Bündniskonzept gab es bereits bei den zumindest vorerst erfolgreichen Protesten gegen den Google-Campus in Kreuzberg. Daran wollen nun auch die Amazon-KritikerInnen ansetzen. Gleich nach den theoretisch hochwertigen Inputs ging es in am Mittwochabend Arbeitsgruppen, wo konkrete Aktivitäten geplant wurden. Denn die AktivistInnen wollen keine Zeit verlieren. Schließlich sind die Fundamente für den Eight Tower schon gegossen. Im Februar 2020 sollen die Kräne an der Baustelle aufgestellt werden. Bis dahin muss in einem Areal, der keinen Kiezcharakter hat, mitten im Berliner Winter, eine kritische Öffentlichkeit hergestellt werden. Für den 21. Dezember ist ein Aktionstag rund das Gelände geplant.  Die konkreten Vorbereitungen sollen im Vetomat, einer Kulturkneipe in der Wühlischstraße 42 in Friedrichstraße stattfinden.  An den drei ersten Donnerstagen im Dezember treffen sich dort ab 19 Uhr die Amazon-GegnerInnen. Vielleicht bleibt auch neben dem Aktivismus Raum und Zeit für Reflektion theoretische Auseinandersetzungen. Dazu ein aktueller Lesetipp* über die Kämpfe gegen Amazon, Uber und Co mit dem Schwerpunkt auf die USA.

*Katja Schwaller (Hg.) Technopolis.Urbane Kämpfe in der San Francisco Bay Area. Assoziation A, Berlin 2019, 231 Seite, 19,80 Euro

Peter Nowak

 

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