Kommt man vom Osten nach Berlin, dann kündigt sich in Friedrichshain die Großstadt an. Mit Blick auf den Fernsehturm geht es die letzten Kilometer majestätisch eine hauptstädtische Allee entlang. Großzügig gebaut, mit Weite und Pracht. Wer kann sich noch daran erinnern, dass diese Allee von den Erbauern für die Arbeiter/innen und die Trümmerfrauen und für alle Werktätigen beim Aufbau des Sozialismus gedacht war? Denn es gab eine Zeit, in der an der Lösung der Wohnungsfrage gearbeitet wurde.
Heute sucht der Blick vergebens nach großstädtischem Flair. Betongold links und rechts der Allee säumt die Magistrale. Fahrräder fluten die Fußgängerwege. Langweilige Läden, so weit das Auge reicht. Kinder sucht man vergebens. Aber die Anfahrt auf das Zentrum ist geblieben. Der wunderbare Blick in die untergehende Abendsonne und ein Bauwerk für die Ewigkeit. Aldo Rossi, ein namhafter italienischer Architekt, bezeichnete sie seinerzeit als letzte geschlossene Straße, die in der Neuzeit gebaut wurde. Eine Geste der Herrschenden, die es aus eigener Erfahrung besser machen wollten und dem schaffenden Arbeiter eine Allee schenkten. Das lief nicht ohne Widersprüche ab. Darum ist es wert, sich die Geschichte der einstigen Stalinallee genauer anzusehen. Der Zweite Weltkrieg war beendet. Die USA, Frankreich, Großbritannien und die Sowjetunion befreiten Deutschland vom Faschismus. Die Rote Armee kam vom Osten in die Stadt. Was machen mit dem Krebsgeschwür Faschismus? Zunächst glaubte man an Deutschland einig Vaterland. Mit Hans Scharoun wurde ein bedeutender Architekt mit der Generalplanung zum Wiederaufbau der Stadt beauftragt. Schnell zeigte sich aber, dass die Alliierten unterschiedliche Gesellschaftsentwürfe aus ihren Ländern mitbrachten.


