Das Land Berlin arbeitet nun zum zweiten Mal an einem Antrag, um das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee gemeinsam in das Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen. Die erste Bewerbung 2014 wurde mit der Bemerkung abgelehnt, der Antrag solle weiter bearbeitet werden. Im Kern geht es darum, ob der Denkmalwert beider Gebiete unter dem Titel „Architektur und Städtebau der Berliner Nachkriegsmoderne“, also als „gebaute Zeitzeugen des kalten Krieges“, ausreichend denkmalwürdig sei.
Die beiden Gebiete Hansaviertel und Karl-Marx-Allee sind einzeln betrachtet natürlich von denkmalpflegerischem Wert. Aber kann man die Phase der Nachkriegszeit unter den Bedingungen der Abgrenzung zweier Gesellschaftssysteme voneinander, des Kampfes um die Anerkennung der DDR und damit auch des alternativen Gesellschaftsentwurfs des Sozialismus unter der Klammer „nach dem Krieg“ im Städtebau und in der Architektur zusammenfassen? Federführend bei der Bearbeitung des Antrages sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und hier vor allem die Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt und der Landeskonservator Christoph Rauhut sowie die Hermann-Henselmann-Stiftung, benannt nach dem führenden Architekten und Stadtplaner der DDR. Er gilt als Architekt der Karl-Marx-Allee, weil er den städtebaulichen Entwurf mit den Genossen im Politbüro diskutierte. In der Realität ist die Karl-Marx-Allee aber ein kollektives Werk. Hier also schon der erste Unterschied. Das Hansaviertel und die Karl-Marx-Allee sind beide zur selben Zeit entstanden und Ausdruck einer Moderne, wie sie das Bauhaus begründete. Aber sie stehen eben auch für den Kampf der Systeme, der zu dieser Zeit – nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Berlin – tobte. In den Geschichtsbüchern wird gern vom „Kalten Krieg“ gesprochen. Es lohnt sich an Hand der Geschichte der beiden Gebiete etwas genauer hinzuschauen, denn der Antrag vermittelt den Eindruck, als ob die Teilung der Stadt Berlin hier nun endgültig ausgesöhnt wäre und als ob genau das wichtig sei. Ein Leben in der Eigentumswohnung an der Karl-Marx-Allee, genau davon haben doch sicher die Arbeiter geträumt, die am 17. Juni 1953 auf die Straße gingen, soweit die versteckte Botschaft des Antrages.
