Bezahlbares Wohnen sollte in einer reichen Gesellschaft für alle Bürger/innen selbstverständlich sein. Doch genau das liefert der Markt nicht. Die Politik aber blockiert sich selbst durch Unkenntnis der ökonomischen Zusammenhänge.
Es mag den jüngeren Generationen nicht bewusst sein, aber das, was jetzt Wohnungsnot genannt wird, ist eine immer wiederkehrende, fast zyklische Begleiterscheinung der wirtschaftlichen Entwicklung. Und die Ursachen sind fast immer die gleichen: Über viele Jahre wird das Wohnen von der Politik vernachlässigt, wird dem Markt überlassen und plötzlich, wie aus heiterem Himmel ist sie da, die Wohnungskrise, und die Politik fängt an, sich hektisch und planlos mit dem Thema zu befassen. Besonders deutlich wird das in Berlin. Über zwei Jahrzehnte nach der Vereinigung herrschte in Berlin und Umgebung ein Wohnungsüberschuss mit extrem geringen Mieten im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten. Offenbar war man in Berlin davon überzeugt, das werde noch einige Jahrzehnte so bleiben. Aber um das Jahr 2008 setzte ein massiver Zuzug in die Stadt ein, der bis jetzt die Bevölkerungszahl um etwa 300.000 erhöht hat. Spätestens 2014/2015 hätte man in der Stadtverwaltung erkennen müssen, dass in wenigen Jahren eine massive Wohnungsknappheit zu erwarten ist. Hätte man ab 2016/2017 öffentlichen Wohnungsbau in großem Stil betrieben, gäbe es heute das Problem, das alle umtreibt, nicht. Es war doch kein Geld da, werden vermutlich selbst die einwenden, die heute für sehr viel Geld private Wohnungsanbieter wie die Deutsche Wohnen enteignen wollen. Doch, es war fast beliebig viel Geld da, nur lähmten damals wie heute Vorurteile über staatliche Schulden die deutsche Politik auf all den Ebenen, wo der Staat dringend gebraucht wird.
