Über den anstehenden Verkauf ihres Hauses erfuhren die Mieter/innen der Matternstraße 4 in Friedrichshain mehr oder weniger zufällig. Nach einer Mieterhöhung verlangte der Mieter Martin Strubelt Einsicht ins Grundbuch. Just am Vortag, dem 26. Juli 2017, war der Käufer Albert Immo 5 S.a.r.l. mit Sitz in Luxemburg vorgemerkt worden. Bislang ist der Verkauf noch nicht vollzogen. Da sich das Haus im sozialen Erhaltungsgebiet Petersburger Platz befindet, muss der Bezirk den Verkauf erst prüfen und genehmigen.
Die Mieter/innen fordern vom Bezirk, über die städtische Wohnungsbaugesellschaft WBM das Vorkaufsrecht auszuüben. Von der Luxemburger Immobiliengesellschaft Albert Immo 5 S.a.r.l. erwarten sie nichts Gutes, schon allein deshalb, weil sie bereit ist, für das Mietshaus mit 33 Wohnungen 5,1 Millionen Euro zu zahlen, was einem Quadratmeterpreis von 2.711 Euro entspricht. Demgegenüber stehen Nettokaltmieten von durchschnittlich 6,43 Euro/m². „Die Käufer würden eine so geringe Rendite erzielen, dass es sich bei dem Geschäft vermutlich um Spekulation handelt“, meint Strubelt. Um die Rendite zu erhöhen, müssten die Mieten kräftig steigen, doch da wohnwertsteigernde Modernisierungsmaßnahmen im Milieuschutzgebiet nur begrenzt erlaubt sind, ist es vorstellbar, dass der Käufer das Haus lieber entmieten und in Einzeleigentum umwandeln möchte. Ein Drittel der Mieter/innen haben geringe oder prekäre Einkommen oder sind auf Arbeitslosengeld oder Grundsicherung angewiesen. Modernisierungen wurden seit Anfang der 1990er Jahre in Eigenleistung durchgeführt, sodass sie nicht auf die Mieten aufgeschlagen werden konnten und können.
