Wenn man „Zwangsräume“ in eine Suchmaschine eingibt, wird man zunächst auf den Begriff Zwangsräumung verwiesen. Tatsächlich handelt es sich bei der digitalen Ausstellung „Zwangsräume Berlin“ um die größte staatlich betriebene Zwangsräumung der deutschen Geschichte. Es geht um die Vertreibung von Berliner Juden aus ihren Wohnungen in den Jahren 1939 bis 1945. Und es geht darum, dass die NS-Behörden von großen Teilen der Bevölkerung unterstützt wurden. Vor allem von jenen, die in die Wohnungen einziehen konnten, aus denen ihre jüdischen Nachbar/innen gerade vertrieben worden waren.
Bisher ist wenig dazu geforscht worden. Darum ist es umso verdienstvoller, dass das „Aktive Museum“ Berlin mit der digitalen Ausstellung „Zwangsräume Berlin“ diese antisemitische Massenvertreibung, von der über die Hälfte der jüdischen Bevölkerung Berlins betroffen war, anschaulich darstellt. Dazu gehören auch die knapp 800 Häuser mit sogenannten Judenwohnungen, in denen die zwangsgeräumten Menschen unterkamen, bis sie meistens in die Vernichtungslager deportiert wurden. Eine „Judenwohnung“ bedeutete, dass mehrere Familien oder Einzelpersonen zwangsweise in einer Wohnung beengt leben mussten. In der digitalen Ausstellung kann man einige dieser Häuser anklicken. Da wird die Kluckstraße 3 (ehemals Blumhof ) beschrieben, wo heute eine Jugendherberge steht. „Im ehemaligen Bezirk Tiergarten, zwischen dem Landwehrkanal und der Lützowstraße – unweit der damals mondänen Potsdamer Straße – stand das stattliche Haus mit der Hausnummer 15 in Blumhof. Mindestens zehn Wohnungen wurden als Zwangswohnungen für Jüdinnen und Juden genutzt. Von den 78 jüdischen Mieter/innen an dieser Adresse wurden 50 von hier aus deportiert“, lesen wir dort. Besonders traurig ist die Geschichte des Hauses Großgörschenstraße 24 in Berlin-Schöneberg, das zwischen zwei Bahntrassen am Rande der „Roten Insel“ lag, einem Viertel, das lange Zeit als Hochburg der linken Arbeiterbewegung galt. Die Ausstellung informiert über seine Geschichte: „Laut einem handschriftlichen Vermerk galt es im Mai 1940 offiziell als ‚Judenhaus‘. Die Namen von 71 Menschen, die in dem Gebäude wohnen mussten, sind bekannt. Aus dem Haus sind mindestens 69 Menschen deportiert worden. Sie wurden fast alle ermordet.“ Sehr detailliert werden auch die Zwangsräume in der Holsteinischen Straße 2 im Bezirk Wilmersdorf geschildert. Dort wohnten zwischen 1942 und 1944 mehrere jüdische Familien. Einige konnten noch auswandern, andere fielen der faschistischen Vernichtungsmaschinerie zum Opfer.

