Schaut man sich Medienberichte an, scheint Neukölln der fürchterlichste Stadtteil Berlins zu sein – mordende Banden, Diebe mit flinken Fingern und brutalste Ideologen bevölkern offenkundig diesen Stadtbezirk, der größer ist als die meisten Städte Deutschlands.
Woche um Woche liest man von islamistischen Demonstrationen, Tötungsversuchen, Rasereien und Überfällen in den Boulevardzeitungen, die Fernsehsender berichten aus Neukölln ausschließlich Grauenhaftes und die Satiren, in denen Neukölln zum obskuren Unort erklärt wird, sind Legion. Selbst dann, wenn der Unort liebevoll beschrieben wird, wirkt er dennoch besiedelt von armen, bildungslosen Menschen, die vielleicht „ganz besonders authentisch“, nicht jedoch besonders helle sind. Und mit denen die lachenden Leser/innen um keinen Preis der Welt tauschen wollen. Sicher gibt es Verbrechen in Neukölln und, wie überall, auch eine Menge Arschlöcher. Doch man muss nicht in den Britzer Garten fahren oder zum Rudower Fließ, um zu bemerken, dass in den Berichten einfach Klischees reproduziert werden.
