In diesem Jahr ist es 25 Jahre her, dass im Spiegel der Artikel „Endstation Neukölln“ erschien. Er markiert den Beginn der Karriere Neuköllns als bundesweit bekannter Problembezirk. Thema des Textes waren: Armut, Drogenabhängigkeit, Clankriminalität, Jugendkriminalität und sehr viel Gewalt.
Ob diese einseitige Perspektive auf Probleme dem Bezirk guttun würde, konnte schon damals bezweifelt werden. Viele Bewohner/innen, Arbeiter/innen, Rentner/innen und Studierende schätzten es eher als etwas Positives ein, in einer Nachbarschaft zu leben, in der man sich untereinander kennt, sich unterstützt und nicht so hohe Mieten bezahlen musste. West-Berliner Arbeiterbezirk. Bodenständig. Lehrkräfte und Pädagog/innen fühlten sich und ihre alltägliche Arbeit völlig falsch dargestellt. Es wurden Stimmen lauter, dass in der Vielfalt und dem Multikulturellen doch gerade die Vorteile großstädtischen Zusammenlebens liegen. Doch es half alles nichts. Der Grundstein für den unaufhaltsamen Aufstieg des Heinz Buschkowsky war gelegt. Im Jahr 2001 wurde der Sozialdemokrat zum zweiten Mal Bezirkschef und sollte bis zu seinem Rückzug 2015 zum wohl bekanntesten Bezirksbürgermeister in Deutschland werden. Sein Erfolgsrezept: Probleme mit übertrieben zugespitzten und zum Teil offen rassistischen Parolen ansprechen, ohne sie zu lösen. Solange er mit markigen Sprüchen bei der kleinbürgerlichen Bevölkerung im Süden des Bezirks punkten konnte und so in Wahlen vor der CDU lag, konnte er weiter regieren.
