Katalin Gennburg ist aufgebracht. „Wir sind stadtentwicklungspolitisch in einer Situation, in der die Privatisierungstiraden der letzten drei Jahrzehnte insbesondere im Osten zu einer wirklich toxischen Situation am Grundstücksmarkt führen, weil man überwiegend mit Spekulanten konfrontiert ist“ , sagt die Stadtentwicklungspolitikerin der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus zu MieterEcho .
Was Gennburg so in Wallung versetzt: Unter dem Namen „Spreeküste“ soll Berlin mit der nächsten Büro- und Gewerbestadt beglückt werden. Nachdem das Mediaspree-Areal zwischen Ostbahnhof und Elsenbrücke in Friedrichshain fast komplett fertiggestellt ist und auch an der Rummelsburger Bucht alle Claims abgesteckt sind, hat der Investorentross nun den nächsten Spreeufer-Abschnitt in den Fokus genommen. Rund 30 Hektar Grund in bester Uferlage, der einen rund einen Kilometer langen und bis zu 350 Meter breiten Abschnitt südlich des Kraftwerks Klingenberg in den Bezirken Lichtenberg und Treptow-Köpenick umfasst. Den südlichen Abschluss des Gebiets bildet das Areal des Funkhauses Nalepastraße, dem ehemaligen Sitz von DDR-Rundfunk und -Fernsehen. Rund 500.000 qm Geschossfläche sollen auf dem Areal mit derzeit zwölf Grundstückseigentümern entstehen – das liegt in der Größenordnung der Gesamtbebauung am Potsdamer Platz. Die Pflöcke werden aber derzeit maßgeblich von einem einzigen Investoren eingeschlagen – mit freundlicher Unterstützung des Lichtenberger Baustadtrats Kevin Hönicke (SPD). Der Berliner Investor Archigon will auf rund drei Hektar etwa ein Fünftel des Bauvolumens realisieren – 105.000 qm hauptsächlich Büro- und Gewerberäume unter dem Namen „Spreewerk“. Für das städtebauliche Werkstattverfahren „Berlin-Spreeküste“ wurde in der Auslobung das Ziel bereits klar formuliert: „Für das Grundstück der Archigon GmbH wurden Bebauungskonzepte gesucht, die die Vorstellungen der Eigentümerin hinsichtlich Bauvolumen und Nutzungsmix ermöglichen.“ Alles unter Beteiligung der Senatsbauverwaltung und der Bezirke Treptow-Köpenick und Lichtenberg, letzterer federführend. Im Frühjahr wurde an zwei der sieben teilnehmenden Teams aus Architektur- und Landschaftsplanungsbüros ein erster Preis vergeben. Was die Entwürfe eint: Mehrere bis zu 100 Meter messende Hochhäuser sollen neben großen, die Straße begleitenden Häuserblöcken entstehen.
