In Großstädten explodieren die Mieten, während leistungslose Vermögenszuwächse Superreicher auf Immobilienmärkten kaum besteuert werden. Die umfangreichen Steuerprivilegien im Immobiliensektor begünstigten die Anhäufung von Wohneigentum in den Händen weniger Menschen sowie Unternehmen. Die Folge der Privilegien: Hohe Immobilienpreise und hohe Mieten.
Nicht nur die hohe Nachfrage nach Wohnraum und Wohneigentum in den Ballungsräumen und die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre haben den Immobilienmarkt angeheizt. Zusätzlich machen umfangreiche Steuerprivilegien Investitionen in Immobilien attraktiver als alternative Finanzanlagen und führen zu Fehlanreizen und Verzerrungen des Marktes. Die Privilegien bei der Immobilienbesteuerung sind zahlreich: Es gibt sie sowohl beim Kauf, bei der Vermietung, beim Verkauf, als auch beim Nachlass. Wer in Deutschland eine Immobilie kauft, zahlt dabei in der Regel Grunderwerbsteuer. Einige, vor allem große Akteure umgehen diese Steuer allerdings, indem sie zunächst nur Anteile von höchstens 90% an einer Gesellschaft erwerben, in der die Immobilie eingelegt ist. Die übrigen 10% können nach Ablauf einer 10-jährigen Frist erworben werden, ohne dass die Steuer anfällt. Von diesem Privileg für sogenannten Share-Deals profitierte etwa Vonovia beim Kauf der Deutsche Wohnen. Eine weitere Ausnahmeregelung betrifft die Mieteinnahmen. Wer seine Immobilien in eine Kapitalgesellschaft einlegt, die lediglich vermögensverwaltend tätig ist, muss keine Gewerbesteuer auf die Mieteinkünfte zahlen. Grund dafür ist eine alte Steuerregel: die sogenannte „erweiterte Kürzung der Gewerbesteuer“. Es fallen somit lediglich Körperschaftsteuern und Solidaritätszuschlag an.
