Rechte Organisationen und Netzwerke haben in Neukölln eine lange Geschichte. Spätestens in den 80ern erlangt insbesondere Südneukölln Bekanntheit als Hotspot von Neonazi-Aktivitäten. Hier waren Skinhead-Gruppen, rechte Gangs und NPDler/innen aktiv. In den kommenden Jahrzehnten griffen diese Antifaschist/innen, Schwarze, Menschen mit Migrationsgeschichte, linke und muslimische Einrichtungen an.
Aktionen wie Drohbriefe an die Neuköllner Falken, Überfälle auf Parties in den 80ern oder ein Angriff auf ein Flüchtlingsheim im Rahmen der bundesweiten Welle rassistischer Pogrome in den 90ern sind nur einige von vielen Vorfällen. Auch im neuen Jahrtausend ging es weiter: 2003 fanden auf dem Britzer Baumblütenfest rassistische Angriffe statt, 2008 verübten Neonazis Brandanschläge auf die Wohnhäuser einer bosnischen und einer türkischen Familie. Bis heute sind Neonazis, ausgehend von ihrem stronghold im Süden, im ganzen Bezirk präsent. 354 rechtsextreme, rassistische und antisemitische Vorfälle meldet das Neuköllner Register für 2021, ganze 51 davon in Rudow. Über die Jahre haben sich verschiedene rechte Organisationen in Neukölln gebildet, wieder aufgelöst oder etabliert. Seit 2005 gibt es einen NPD-Kreisverband in Neukölln, der in enger Verbindung zu den „Freien Kräften Neukölln“ steht. Zeitweise waren die Republikaner aktiv, die 2012 einen lokalen Kreisverband „Süd-Ost“ gründeten und 2012 und 2013 besonders aktiv waren. In den letzten Jahren ist vor allen Dingen der „III. Weg“ erstarkt. Hier organisieren sich Neonazis, denen AfD und selbst die NPD zu wenig rechts sind. Sie verteilen Flyer mit rechten Verschwörungsmythen und verbreiten Hass gegen Geflüchtete und Migrant/innen. Im September versuchte der III. Weg, eine Veranstaltung des antifaschistischen Bündnisses „Rudow empört sich“ zu stören, und im November beging er auf einem Rudower Friedhof ein NS-verharmlosendes „Heldengedenken“. Auch einer der Hauptverdächtigen in der Neuköllner Naziterrorserie, Sebastian T., ist mittlerweile Mitglied des III. Wegs.
