Die Gentrifizierung ist mit der Wohnungs- und Mietenkrise in Berlin nicht identisch, aber ein wichtiger Teil davon. Und wie die gesamte Problematik sich Jahr für Jahr weiterentwickelt und zugespitzt hat, so ist auch die Gentrifizierung weiter und weiter vorangeschritten und heute als Teil der Krise kaum noch von ihr zu unterscheiden.
Warnende Signale gab es früh und wurden von den Senats- und Bauverwaltungen negiert. Erinnert sich noch jemand an 2007, als allein der Gebrauch des Begriffs Gentrifizierung und die wissenschaftliche Analyse seiner Entwicklung als Begründung für die Verhaftung und wochenlange Inhaftierung eines Analytikers und Aktivisten herangezogen wurde? Statt aktiv zu werden, wurde mit dem unseligen Gegensatz „Neubau statt Bekämpfung der Gentrifizierung“ eine jetzt bereits Jahrzehnte andauernde Phase eingeleitet, in der beides völlig unzureichend angegangen wurde.
Zu Beginn der Gentrifizierungsprozesse in Berlin standen vor allem einzelne Quartiere und Bezirke im Mittelpunkt. Kern war die Befürchtung der Bewohner/innen, aufgrund von Modernisierungen ihrer Wohnungen aus der Innenstadt verdrängt zu werden. Aus fast allen Stadtteilen kamen Alarmmeldungen, die auf beginnende Gentrifizierung verwiesen. Allerdings zeigte sich bei näherer Betrachtung, dass die verschiedenen Innenstadtquartiere noch sehr unterschiedlich betroffen waren. So gab es dort neben Gebieten mit fortgeschrittener (z. B. Kollwitzplatz) und anderen mit beginnender Gentrifizierung (z. B. Bergmannstraße) noch Kieze mit geringen Gentrifizierungsentwicklungen (z. B. Schillerpromenade), in die Haushalte mit unterdurchschnittlichen Einkommen noch zuziehen konnten.
In einer Neuauflage der Studie von 2010 zeigten sich 2020 – also nur 10 Jahre später – deutliche Veränderungen. Es waren nicht mehr drei Gebietstypen unterscheidbar. Der Zuzug war in allen untersuchten Gebieten geprägt durch Haushalte mit höheren Einkommen, die höhere Mieten aufbringen können.


