Dass sich Wohnungslosigkeit gesundheitsschädigend auswirkt, ist allgemein bekannt. Weniger bekannt ist jedoch, dass dadurch erwachsene und kerngesunde Menschen zum Fall fürs betreute Einzelwohnen werden. Die Gründe sind der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und der zu geringe Bestand im geschützten Marktsegment.
Verliert jemand sein Obdach, wird er oder – seltener – sie von der Sozialen Wohnhilfe vorerst in einem Wohnheim nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) untergebracht. Dort soll unter Abwägung der Probleme und Ressourcen eine Vermittlung beispielsweise ins geschützte Marktsegment, ins betreute Wohnen oder in die Psychiatrie stattfinden. Dabei brauchen die meisten lediglich eins: eine Wohnung. Die Gründe für einen Wohnungsverlust sind vielfältig, ebenso unterschiedlich sind die Menschen, die es trifft. Außer vielleicht einer negativen Schufa und den daraus resultierenden schlechten Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt haben sie in der Regel nicht viel gemeinsam. Und doch treffen sich manche von ihnen nach kurzer Zeit als Klient/innen im betreuten Einzelwohnen zum wöchentlichen Kochen gemeinsam mit der Sozialarbeiterin wieder. Wie kann das sein? Für Menschen, die etwa aufgrund von Überschuldung keinen Zugang zum freien Wohnungsmarkt haben, ansonsten aber in der Lage sind, selbstständig einen Haushalt zu führen, gibt es das geschützte Marktsegment. Das dortige Angebot liegt mit 1.080 Wohnungen jedoch weit unter dem etwa dreimal so hohen Bedarf – in einer Stadt, in der eine knappe Viertelmillion Haushalte überschuldet sind und die Situation auf dem Wohnungsmarkt extrem angespannt ist. So wird die Unterbringung in einem ASOG-Wohnheim oftmals keine vorübergehende, sondern eine dauerhafte „Lösung“. Doch das Leben auf 9 qm – ein Bett, ein Schrank, ein Stuhl – bietet keinerlei Raum für Privatsphäre. Toilette, Dusche, Herd und Waschmaschine teilen sich 15 Bewohner/innen. Spritzbesteck auf der Toilette, Konflikte und Gewalt sind nicht selten an der Tagesordnung. Wer Glück hat, bekommt ein Einzelzimmer.
