Das Kottbusser Tor ist ein Ort der Nachbarschaft, an dem neben viel Geschäftsbetrieb, Nahversorgung, Dienstleistungen und öffentlichen Einrichtungen in erster Linie gewohnt wird. Die Pläne für eine neue Polizeiwache über dem Platz stehen den Interessen der Anwohner/innen entgegen.
Nach vielen grauen Tagen scheint die Sonne wieder auf die Wohnhochhäuser rund um den schillernden Stadtplatz in Kreuzberg. In der Gastronomie werden die Stühle herausgestellt und der Wunsch, den Corona-Blues hinter sich zu lassen, ist spürbar. Einige tausend Berliner Mieter/innen haben ihren Lebensmittelpunkt in den Widersprüchen des von Autolärm, Hochbahn, Nachtleben, Drogenhandel, aber auch vertrauensvoller nachbarschaftlicher Strukturen geprägten Ortes. In medialer und städtischer Darstellung spiegelt sich diese Ambivalenz kaum wieder. Polizeilich lebt man hier an einem gefährlichen Ort – nach Zahlen der Kriminalitätsstatistik ist dies zutreffend. Für die Anwohner/innen stellt sich die Situation hingegen differenzierter dar. Nach einer Forschungsstudie von Talja Blokland an der Humboldt-Universität hat der überwiegende Teil der Bewohner/innen ein gutes Sicherheitsgefühl. Die Nachbarschaft ist stark, die vielen Gewerbetreibenden leisten hierfür einen wichtigen Beitrag, man begegnet, kennt und vertraut sich. Unbenommen gibt es aber auch seit Jahren Probleme, die die Anwohner/innen belasten. Immer wieder genannt wird die starke Frequentierung durch Drogengebraucher/innen und viele hygienische Defizite. Die Treppenhäuser der Großwohnanlagen werden oft als Konsumräume missbraucht, Müll und Notdurft werden hinterlassen. Die alltägliche Begegnung mit Verarmung und Verelendung, manch raue Sitte auf dem Platz machen es gerade Familien mit Kindern nicht leicht. Gleichzeitig gibt es aber auch eine große Anzahl institutioneller und zivilgesellschaftlicher Akteure, die mit Engagement versuchen, hier positiv zu intervenieren. Es gibt akzeptierende Sozialarbeit und Unterstützung für wohnungslose Menschen. Die Übernahme des Neuen Kreuzberger Zentrums (NKZ) durch die städtische Gewobag mit einer aktiven Verwaltung, die Etablierung eines mitbestimmenden Mieterrats von Mieter/innen und Gewerbetreibenden ist spürbar. Auch die südlichen Wohnblöcke wurden kommunalisiert. Fixpunkt e.V. hat im privatwirtschaftlichen Teil des NKZ eine lang geplante Zweigstelle zur sozialmedizinischen Versorgung eröffnet.
