Die Nutzer/innen von möblierten Apartments und Zimmern sind so verschieden wie die Erscheinungsformen prekären Wohnens. Arbeitsmigrant/innen aus Südeuropa hangeln sich oft von Untermiete zu Untermiete. Besser betuchte Studierende leben während ihres Auslandsaufenthalts in Berlin häufig in teuren möblierten Apartments mit temporären Mietverträgen. Viele sehen die möblierte Unterkunft als Zwischenlösung auf der Suche nach einer Wohnung mit Normalmietverhältnis. Doch aufgrund der Wohnungsnot wird diese Form der Unterbringung immer öfter zum Dauerzustand.
Francesca Giuliani* kam vor einigen Jahren auf Jobsuche nach Berlin. Im krisengeschüttelten Italien sah die Mittzwanzigerin keinerlei Perspektive für sich. Von den 40.000 jährlich zuziehenden Neuberliner/innen kommt ein Großteil aus Süd- und Südosteuropa. Laut offizieller Statistik leben rund 28.000 Italiener/innen in der Stadt, die italienische Botschaft schätzt die Zahl aber auf über 50.000. Während Francesca Giuliani schnell eine Anstellung in der Gastronomie fand, stellte sich die Wohnungssuche als weitaus schwieriger heraus. Erst nach monatelanger Suche fand sie eine Bleibe, ein möbliertes Apartment im Parterre mit einem befristeten Untermietvertrag für 900 Euro. Der Wohnungseigentümer ist ihr unbekannt. Anstehende Reparaturen in der Wohnung blieben über Monate unerledigt. Kürzlich erfuhr die Mieterin, dass die Wohnung zum Verkauf steht und ab September darf sie sich wieder in die Masse der Wohnungssuchenden einreihen. Francesca Giulianis Beispiel ist kein Einzelfall. Für Arbeitsmigrant/innen aus Südeuropa sind atypische Mietverhältnisse und die Anmietung von möblierten Apartments längst Normalität. Die Enge im niedrigpreisigen Wohnungssegment trifft Menschen mit Migrationsgeschichte als erstes. Der Zugriff auf den Berliner Wohnungsmarkt ist aufgrund von Sprachbarrieren und struktureller Diskriminierung schwierig. Die Wohnungssuche für die heterogene Gruppe der Arbeitsmigrant/innen gestaltet sich unterschiedlich: Hochqualifizierte Fachkräfte mit gut bezahlten Jobs und festen Arbeitsverträgen finden in der Regel nach einiger Zeit eine Wohnung mit Normalmietverhältnis. „Einige größere Start-ups haben eigene Abteilungen, die bei der Wohnungssuche und beim Umgang mit der deutschen Bürokratie helfen. Die Unternehmen übernehmen Garantien und die Kaution für ihre Mitarbeiter/innen“, erläutert Stefania Animento, die zur Arbeits- und Wohnsituation italienischer Migrant/innen in Berlin forscht. Anbieter wie „Homelike“ vermieten möblierte Wohnungen mit luxuriöser Ausstattung an Unternehmen, die sie ihren Mitarbeiter/innen übergangsweise während der Wohnungssuche zur Verfügung stellen. Ein solcher Service ist jedoch die Ausnahme.
