Seit Mitte Dezember gelten für drei neue Gebiete im Bezirk Mitte soziale Erhaltungssatzungen. Der Soldiner Kiez, außerdem ein Bereich zwischen Landwehrkanal und Kurfürstenstraße sowie das Areal rund um die Paul- und Thomasiusstraße in Moabit stehen nun unter Milieuschutz. Berlinweit stieg die Zahl damit auf 55. Fortan kann Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) in den neuen Gebieten Luxusmodernisierungen untersagen und Umwandlungen verlangsamen. Abrisse und Wohnungszusammenlegungen bedürfen seiner Genehmigung. Bei Hausverkäufen kann der Baustadtrat das Vorkaufsrecht nutzen. Gothe kann, er muss aber nicht. In der Koloniestraße 10 hätte er den Abriss von Wohnungen und Gewerbe- räumen durch den Eigentümer des angrenzenden Studentenwohnheims „Campus Viva“ mittels Vorkauf abwenden können. Gothe wollte nicht und verschleppte die Einsetzung der sozialen Erhaltungssatzung für das Areal. Schließlich kamen Bauarbeiter, um die Gewerbehöfe abzureißen. Eine Genehmigung dafür hatten sie nicht. Der Baustadtrat schritt ein, schob den Abriss auf. Der Ärger für die Mieter/innen ist damit nicht vorüber, sondern hat gerade erst begonnen. Der Schutz des Milieus durch den Milieuschutz, ohne den politischen Willen das Milieu zu schützen, ist eine Farce.