Der Andreasplatz, in Berlin-Friedrichshain zwischen dem Ostbahnhof und dem Strausberger Platz gelegen, macht heute den Eindruck eines leicht ungepflegten Hundeauslaufplatzes. Nur ein neobarockes Denkmal fällt ins Auge.
Es handelt sich um die Figurengruppe „Vater und Sohn“ von Wilhelm Haverkamp. Die Familiengruppe sollte den Platz laut Beschluss der Stadtverordnetenversammlung künstlerisch aufwerten. „Unübersehbar ist der Versuch (…) mit lieblichen Bildmotiven von der sozialen Lage des damaligen Proletariats abzulenken”, heißt es in einer Informationstafel des Bezirksamtes Friedrichshain-Kreuzberg. Dort ist auch zu lesen, dass die Stralauer Vorstadt einschließlich des Schlesischen Bahnhofs (heute Ostbahnhof) vor 150 Jahren als Rotlichtviertel galt und verrufen war. Was hier beschrieben wird, hört sich sehr aktuell an. Das Umfeld des Andreasplatzes galt vor 150 Jahren als Gefahrengebiet. Um unerwünschte, meist einkommensarme Nutzer/innen und Bewohner/innen zu verdrängen, sollte der Platz für ein bürgerliches Milieu attraktiv gemacht werden. Man könnte hier von einer früheren Form der Aufwertung und Verdrängung sprechen.
