Die schwarz-rote Koalition verspricht dutzende Kilometer neue U-Bahnstrecken. In fortgeschrittenen Planungsphasen sind zwei Verlängerungen der U7. Einerseits 4,3 Kilometer vom Endbahnhof Rathaus Spandau bis zur Heerstraße sowie satte neun Kilometer von Rudow bis zum Flughafen BER, letzteres großteils oberirdisch. 2020 schätzte die BVG die Baukosten für die Spandauer Verlängerung auf 578 Millionen Euro, die Realisierung der Strecke im Südosten sollte mit 900 Millionen Euro zu Buche schlagen.
Realistisch betrachtet wird der Bau der komplett unterirdischen Strecke an den nordwestlichen Stadtrand ein Vielfaches der damals veranschlagten Kosten verschlingen, sollte es jemals dazu kommen. Das zeigt der Blick nach Hamburg und München, wo derzeit neue U-Bahnstrecken entstehen. Aktuell wird in den beiden Metropolen mit Preisen zwischen 407 und 466 Millionen Euro pro Kilometer kalkuliert. Auf das Spandauer Beispiel umgelegt würde das 1,75 bis 2 Milliarden Euro bedeuten. Ohne Bundesförderung könnte sich Berlin das niemals leisten. Bis zu 75% Zuschuss für die Baukosten können aus Mitteln des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) gewährt werden, wenn der sogenannte Nutzen-Kosten-Faktor über 1 liegt. In einer formalisierten Berechnung werden dabei der erwartete volkswirtschaftliche Nutzen und die Baukosten verglichen. Schon das ist eine Hürde, die Hamburg und München allerdings bei ihren Projekten genommen haben. An der Elbe jubelte man Anfang des Jahres über einen Förderbescheid des Bundesverkehrsministeriums für den ersten Bauabschnitt der neuen U5. Rund 70% Zuschuss soll es für die erwarteten zwei Milliarden Euro Baukosten geben. München wurde zwar für die Verlängerung der dortigen U5 zum Bahnhof Pasing grundsätzlich die Förderfähigkeit bescheinigt. Einen Bescheid hält man jedoch bis heute nicht in den Händen. Letztlich kann es sein, dass die Stadt auf fast den kompletten Baukosten von 1,3 Milliarden Euro für 3,2 Kilometer Tunnelstrecke sitzenbleibt. Denn die Bundesmittel sind gedeckelt, in diesem Jahr auf eine Milliarde Euro, 2025 ist die doppelte Summe vorgesehen. Außerdem werden sie nach einem Bundesländer-Proporz verteilt – und Bayern hat in den vergangenen Jahren schon viel kassiert.


