Fast schon triumphal klingt die Ankündigung von Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) für das Tourismusjahr 2024: „Wir werden, das können wir jetzt schon vorhersehen, in diesem Jahr aller Voraussicht nach die 30-Millionen-Marke für Übernachtungen knacken. “ Allein schon die anstehende Fußball-Europameisterschaft werde dafür sorgen. Tourismusförderung sei wichtig, denn jeder investierte Euro komme fünf- bis siebenfach zurück.
Doch es gibt nicht nur Gewinner. Zwar schafft der Tourismus gerade in Hotellerie und Gastronomie Beschäftigung, Bezahlung und Bedingungen sind jedoch oft schlecht. Mietwohnungen werden illegal zu Ferienwohnungen umgenutzt, was nicht nur für ungewollten Trubel in Mietshäusern sorgt, sondern auch die Wohnungsnot verstärkt und nachweislich den Mietenanstieg weiter befeuert. Weil Gastronomie, Spätis und Klamottenläden auch mehr Gewerbemiete zahlen können als beispielsweise Kitas oder klassische Nahversorger wie Gemüseläden, verschlechtert sich die Infrastruktur für die Wohnbevölkerung. Und dann ist da noch der nächtliche Lärm der feierwütigen Horden. Der Friedrichshainer Kiez rund um die Simon-Dach-Straße ist einer der Orte, an dem die Auswirkungen des Tourismus kulminieren. Das räumt auch Franziska Giffey bei der Senatspressekonferenz im März ein. „Da ist natürlich vor jedem Haus mittlerweile Außengastronomie. Und natürlich wohnen da Menschen darüber“, sagt sie. „Selbstverständlich müssen wir auch Dinge tun, die eben zu mehr Stadtverträglichkeit beitragen. Und das auch mit der Zivilgesellschaft zusammen“, so Giffey weiter.

