Konsequent auf Seite der Mieterinnen | Berliner MieterGemeinschaft e. V.
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Konsequent auf Seite der Mieterinnen
Interview mit dem Vorstand der Berliner MieterGemeinschaft e.V.
Interview mit dem Vorstand der Berliner MieterGemeinschaft e.V
In eigener Sache
MieterEcho: Nach der Wahl des dritten Vorstandes ist der Vorstand der Berliner MieterGemeinschaft (BMG) nun komplett. Dazu herzlichen Glückwunsch, und stellt euch doch bitte kurz vor.
Marek Schauer: Ich bin Rechtsanwalt und seit 2008 für die Berliner MieterGemeinschaft als Berater tätig. Diese vertrete ich auch in der Arbeitsgruppe Mietspiegel bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Zudem schreibe ich regelmäßig im MieterEcho.
Michael Heinke: Ich bin im Jahr 2012 der BMG beigetreten, weil wir damals Probleme mit unserem Vermieter hatten. Seit der Wiedereinberufung der Bezirksmitgliederversammlungen durch den damaligen Notvorstand engagiere ich mich aktiv im Verein. Ich bin Mitglied im Delegiertenrat und in der Bezirksgruppe Friedrichshain. Ich bin Jurist und arbeite als Justiziar und auch als Rechtsanwalt.
Katrin Brüggenkamp: In der Berliner MieterGemeinschaft bin ich seit ungefähr 1998 und ebenfalls seit 2015 in der Bezirksgruppe Lichtenberg und im Delegiertenrat aktiv, und nun wurde ich in den Vorstand gewählt und freue mich auf die neue Arbeit.
Wie versteht ihr eure Rolle als Vorstandsmitglieder der BMG, und was seht ihr als zentrale Aufgaben, mit denen ihr euch beschäftigen wollt?
Katrin: Wir haben die Aufgaben untereinander abgesprochen und in verschiedene Bereiche aufgeteilt. Mein Aufgabenbereich liegt in der Neuorganisation und Modernisierung der Geschäftsstelle. Die soll schneller, ein bisschen neuer, ein bisschen moderner werden. Außerdem möchte ich mit den Mitgliedern in Kontakt treten, zum Beispiel mit denen, die eine Hausversammlung organisieren wollen.
Marek: Für mich als Vorstandsmitglied ist es erstmal wichtig, dass die anstehenden Aufgaben für die Berliner MieterGemeinschaft bestmöglich durch uns umgesetzt werden. Wir wollen insbesondere alle Maßnahmen ergreifen, die dem Verein praktisch dienen. Wobei der Delegiertenrat Maßgabe und Marschroute meiner Arbeit ist, wie es eben die Satzung vorgibt. Mein Aufgabenfeld umfasst insbesondere die Fortführung und Optimierung der Rechtsabteilung und die Stärkung der Öffentlichkeitsarbeit.
Michael: Ich werde Katrin bei der Neuaufstellung der Geschäftsstelle unterstützen und den Vorstand in der Satzungs-AG des Delegiertenrats vertreten. Ich würde mir wünschen, dass wir im Verein die Digitalisierung ein Stück weit voranbringen könnten. Außerdem liegt mir die Stärkung der Rechtsberatung sehr am Herzen.
Was unterscheidet die Berliner MieterGemeinschaft von anderen Mieterorganisationen in Berlin, und warum sollte man gerade in der BMG Mitglied sein?
Marek:Da unterscheidet uns einiges. Aber vor allem stehen wir besonders konsequent an der Seite der Mieterinnen und Mieter. Das gilt für unsere politischen Positionen, wie wir sie im MieterEcho oder anderweitig, z. B. durch Presseerklärungen, vertreten. Das gilt aber auch für unsere Mietrechtsberatungen, in denen wir unseren Mitgliedern Tipps an die Hand geben, um den höchstmöglichen Vorteil gegen die Vermieterseite herauszuholen, natürlich ohne das Risiko einzugehen, die Wohnung zu verlieren. Diese radikale Vertretung ihrer Interessen anstelle einer „Sozialpartnerschaft“ mit den Vermietern wird von vielen unserer Mitglieder sehr geschätzt, auch Neumitglieder loben das immer wieder.
Katrin: Das kann ich aus meiner persönlichen Erfahrung nur bestätigen. Ich bin ja selber Mieterin und war auch im Rechtsstreit mit meinem Vermieter. Der Anwalt der Berliner MieterGemeinschaft hat mich niemals gedrängt, mit meinem Vermieter einen Kompromiss zu finden, sondern hat die Auseinandersetzung kompromisslos bis zum Schluss durchgezogen, sodass ich der Mieterhöhung nicht zustimmen musste.
Michael: Was die BMG für mich besonders macht, ist zum einen ihre Rechtsberatung. Sie ist nicht nur darauf ausgerichtet, Mitgliedern bei konkreten Problemen zu helfen, sondern sie dazu zu befähigen, ihre Rechte selbstbewusst und wirksam wahrzunehmen. Zum anderen steht die BMG für eine klare linke, solidarische und gemeinwohlorientierte Wohnungspolitik. Besonders schätze ich auch die lange Vereinsgeschichte und die vielen Menschen, die den Verein über die Jahre geprägt haben.
Der Vorstand der Berliner MieterGemeinschaft: Marek Schauer, Katrin Brüggenkamp und Michael Heinke.
Foto: zweischritte.berlin
Die Berliner MieterGemeinschaft steht in einer basisdemokratischen, linken Tradition, die gerade neu belebt wird. Welche Bedeutung hat das für eure Vorstandsarbeit?
Marek: Wie ich schon angemerkt habe, verteidigen wir die Mieter/innen kompromisslos gegen die Übergriffe der Vermieter. Ich würde sagen, das ist schon eine Zusammenfassung dessen, was ein linker politischer Standpunkt durchaus für sich reklamiert.
Letztendlich ist die Mietenfrage, auch wenn es etwas altbacken klingt, eine Klassenfrage. Die Leute, die mit den Mieten Probleme haben, sind ja nicht die, die genug Geld in der Tasche haben, um von einer Großstadt zur nächsten zu fliegen, und sich dort einmieten oder eine Eigentumswohnung kaufen können. Die Leute, die mit der Miete, mit den Vermietern Probleme haben, das sind in der Regel diejenigen, die ein Einkommen haben, bei dem sie schon darauf achten müssen, dass sie die Miete überhaupt noch zahlen können. Auf deren Seite stehen wir, und insofern man die Einnahme eines solchen Klassenstandpunktes als Maßstab linker Tradition der BMG versteht, stehen wir in genau dieser Tradition.
Katrin: Mir persönlich ist es immer wichtig, möglichst alle dabei mitzunehmen und gemeinsam Lösungen zu finden, gemeinsam zu Entschlüssen zu kommen und zusammen an der Erneuerung der BMG zu arbeiten. Dafür bringen die vielen neuen Mitglieder, die ich auf den Mitgliederversammlungen im letzten Jahr kennenlernen durfte, nicht nur viele Talente und Fähigkeiten mit, sondern sie sind auch bereit und willens, diese ehrenamtlich einzubringen. Und mit unserer Forderung nach Wohnungen für alle, also natürlich bezahlbaren Wohnungen für alle, da sehe ich uns ganz klar in einer linken Tradition.
Michael: Für mich ist die basisdemokratische Vereinsdemokratie eine der größten Stärken der Berliner MieterGemeinschaft. Sie ist in unserer Satzung verankert und lebt davon, dass sich möglichst viele Mitglieder einbringen. Diese Grundausrichtung sollten wir bewahren. Die Mitglieder- und Wahlversammlungen im vergangenen Jahr haben gezeigt, dass viele Menschen Lust haben, den Verein aktiv mitzugestalten. Basisdemokratie heißt aber auch, gemeinsam zu diskutieren, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und manchmal um Lösungen zu ringen. Das kann anstrengend sein, aber genau dieser Austausch ist wichtig und lohnt sich.
Gibt es weitere Punkte, die ihr den Mitgliedern und vor allem denen, die in der Berliner MieterGemeinschaft aktiv werden wollen, noch mit auf den Weg geben möchtet?
Katrin: Interessierte Mieter/innen sind ganz herzlich eingeladen, in einer Bezirksgruppe der BMG mitzuarbeiten. Wir freuen uns über jedes neue Mitglied und über jedes Engagement. In der Berliner MieterGemeinschaft gibt es gerade viele Veränderungen, auch wenn diese nicht von heute auf morgen bemerkbar sind, und deshalb ist sicherlich auch ein bisschen Geduld nötig.
Michael: Dem kann ich mich nur anschließen. Gerade jetzt ist ein besonders guter Zeitpunkt, sich einzubringen: Der Verein stellt sich neu auf, und gleichzeitig braucht es angesichts des Ausverkaufs der Stadt und des Mietenwahnsinns eine starke Stimme für Mieterinnen und Mieter.
Marek: Wenn man mit Leuten politisch diskutiert oder ins Gespräch kommt, geht es oft um die Frage, was kann man denn eigentlich machen, wenn man sich politisch engagieren will? Und dann sage ich immer, in einer Mieterorganisation gibt es viele Möglichkeiten, sowohl politisch als auch ganz praktisch für und mit Mieter/innen aktiv zu werden. Das gilt ganz besonders für die Berliner MieterGemeinschaft, und ganz besonders jetzt.