Vor genau zehn Jahren startete die Stadtdebatte „Alte Mitte, neue Liebe“ über die Berliner Ost-Mitte. Die damals amtierende Senatsbaudirektorin Regula Lüscher eröffnete einen Beteiligungsprozess zur Erarbeitung von Leitlinien für die zukünftige Entwicklung jenes Teils der Hauptstadt, der seit 1990 Austragungsort ideologischer Grabenkämpfe im sogenannten Architekturstreit war und bis heute ist.
Schaut man sich die Debatte um die Berliner Mitte heute an, müssen wir leider feststellen, dass die breite Beteiligung und die Ergebnisse dieser Stadtdebatte durch die neue SPD/CDU- Regierung ad absurdum geführt werden. Seit der Ernennung von Petra Kahlfeldt als Senatsbaudirektorin werden die vormaligen Standards für Transparenz und Partizipation komplett geschrottet. Es sollte keine Kleinigkeit sein, wenn im Jahr 2024 durch eine Regierung in der Hauptstadt der BRD die Errungenschaften der Moderne zur Einbeziehung der Menschen in die Gestaltung ihrer Lebenswelt „gecancelt“ werden. Bürger/innenbeteiligung ist kein „nice to have“, sondern der Unterschied zu absolutistischer Stadtbaukunst und feudaler Raumgestaltung nach Gusto des Bürgertums, des Kaisers und der Eliten. Der Ausverkauf der Stadt hat eine lange Geschichte und viele Gesichter, und diese haben sich seit dem Mauerfall verändert. Die Verwertungsstrategien des Berliner Stadtraums – insbesondere in der Innenstadt und entlang des früheren Mauerstreifens – haben unter dem Deckmantel der Wohnungsnot im vergangenen Jahrzehnt nicht nur Townhouses, Eigentumswohnungen und Mikroapartments hervorgebracht, sondern auch Gewerbe- und Produktionsräume, mithin Wertschöpfungspotenziale und Kreativorte, stadtweit vernichtet. Seit rund fünf Jahren kommen verstärkt auch Grünflächen der Hauptstadt unter den Hammer und werden verwertbar und „baureif“ gemacht.

