Das Wohnungsbündnis ist das Flaggschiff der auf „Kooperation“ statt auf „Konfrontation“ ausgerichteten Wohnungspolitik der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey und ihres Stadtentwicklungssenators Andreas Geisel (beide SPD). Doch bereits während der Bündnisverhandlungen geriet das Schiff in schwere See. Die Immobilienwirtschaft zeigte sich nur zu geringen Zugeständnissen bereit und dem Bündnis liefen die Partner davon. Herausgekommen ist ein Flickenteppich mit einigen konkreten Zusagen des Landes für bessere Investitionsbedingungen, wenigen vagen Selbstverpflichtungen der Wohnungsunternehmen und viel heißer Luft.
Den weitaus längsten Abschnitt des Bündnistextes nehmen die Passagen zum Wohnungsbau ein. „Durchschnittlich 20.000 neue Wohnungen“ und „möglichst die Hälfte“ im „gemeinwohlorientierten und bezahlbaren Segment“ sollen künftig pro Jahr errichtet werden. Bis 2026 sollen insgesamt 100.000 Fertigstellungen erfolgen. Davon entfallen 60.000 Wohnungen auf private Wohnungsunternehmen, 35.000 auf die landeseigenen Wohnungsunternehmen und bis zu 5.000 auf die Genossenschaften. Um die Wohnungsbauziele nicht zu gefährden, sollen politische Vorhaben künftig gemeinsam mit immobilienwirtschaftlichen Verbänden entwickelt werden. Gesetzesvorhaben, wie etwa die Novelle der Bauordnung, stehen damit unter dem Vorbehalt möglicher „Auswirkungen auf Baukosten, Miethöhe, Genehmigungsdauer, Bauvolumen, Verwaltungsaufwand für die Unternehmen und Betriebskosten“. Baugenehmigungen und Planungsprozesse will die Stadt beschleunigen und Partizipationsprozesse abkürzen, ohne dafür konkrete Maßnahmen vorzuschlagen oder den Personalmangel in den Bauämtern zu lösen. An die Realisierung der Zielzahlen glaubt indes nicht einmal die Wohnungswirtschaft selbst. Zu stark haben sich Vorzeichen in der Bauwirtschaft verschlechtert. Die Verdreifachung der Bauzinsen, explodierende Baukosten und knappe Kapazitäten bei Arbeitskräften und Baumaterial setzen der Branche schwer zu. Laut einer Umfrage des Branchenverband GdW stellen derzeit rund 2/3 der „sozialorientierten Wohnungsunternehmen“ Neubauprojekte zurück und fast ein Viertel will den geplanten Bau neuer Mehrfamilienhäuser komplett aufgeben.
