Es gibt diese verrückte Geschichte zur Entstehung des Sport- und Erholungszentrums, kurz SEZ. Der Architekt wechselte die Welten. Er kam aus der DDR und machte rüber nach drüben. Übrig blieb die Legende vom schwedischen Team und einem ausgereisten Architekten. Aber in der DDR waren Architektur und Städtebau Kollektivleistungen. Das SEZ, erbaut an der Leninallee, Ecke Dimitroffstraße, war eine Kollektivleistung im schwedischen Gewand.
Das SEZ war ein Geschenk. Was strömten wir da hin. Wenn man in der Umgebung wohnte, gab es kein Wochenende ohne die Frage: „...und ins SEZ?“ Nicht immer gaben wir dem nach. Es gab auch viele andere Möglichkeiten, die Freizeit zu verbringen. Selbst die Karl-Marx-Allee war zu dieser Zeit noch eine beliebte Bummelstraße. Aber die Kinder konnten auch einfach „runter gehen“. Die Haustüren waren noch nicht abgeschlossen, und so ging es denn über Hof und Stein. Gern fuhr man auch mit dem Fahrrad aus der Stadt raus, d.h. mit der S-Bahn nach j.w.d. und dann weiter mit Pedalkraft. Bei Regen ging man eher in den Zoo oder ins Kino, denn niemand war aus Zucker und keiner war arm. Freizeit mit Kindern, auch mit vielen Kindern, war niemals eine Sache des Geldbeutels. Du konntest getrost Nachbars Kinder mitnehmen und mit einem Zehner kamst du mit allen Gören zum Tierpark und jede bekam noch ein Eis oder eine Bockwurst. Natürlich hatte man auch Stullen und Obst dabei. Das Freizeitbad im SEZ kostete für einen Erwachsenen 50 Ostpfennig und für Kinder 20. Jede/r konnte es sich leisten und man ging auch gern in einer Gruppe. Das SEZ musste nicht mit Werbung finanziert werden. Dafür gab es eine Vielfalt an Angeboten, die uns erst richtig bewusst wurden, als wir nach der Wende das erste Mal ins „Blub“ nach Westberlin gingen, dem Spaßbad schlechthin – dachten wir. Unser Budget war mit den Eintrittskarten komplett ausgeschöpft. Wir mussten zusammenlegen. Fast wären wir nicht alle reingekommen. Darauf waren wir nicht vorbereitet, dass nur für Freizeit und ein bisschen Schnickschnack soviel Geld berappt werden sollte.


