„Wem gehört Marzahn-Hellersdorf?“ – unter diesem Titel hat die Berliner Linke-Bundestagsabgeordnete Katalin Gennburg die Eigentumsverhältnisse der Plattenbauten in ihrem Wahlkreis untersuchen lassen. Drei Monate lang untersuchten zwei Projektmitarbeiterinnen rund 6.000 zu DDR-Zeiten errichtete Plattenbauten im Nordostbezirk, um festzustellen, wem die Häuser heute gehören.
48% befinden sich demnach im Besitz der landeseigenen Wohnungsunternehmen (LWU). 30% der Häuser sind genossenschaftliches Eigentum. Der Anteil privater Unternehmen beträgt 21%. An der Spitze dabei der Wohnungskonzern Vonovia, der zusammen mit dem Tochterunternehmen Deutsche Wohnen 672 Häuser kontrolliert. 1% der Häuser ist nach der Wende in Eigentumswohnungen aufgeteilt worden.
Im bundesweiten Vergleich würde eine Quote von fast 80% kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungen eigentlich als Traumsituation für Mieter/innen gelten. Doch Katalin Gennburg sieht das anders: „Wenn man aus dem Westen kommt, dann mag man da mit rosaroter Brille draufschauen, aber für die Ossis ist ja wirklich Volkseigentum in großem Umfang verloren gegangen“, sagt sie zum MieterEcho. Die Häuser seien schließlich zur Zeit ihrer Errichtung zu 100% volkseigen gewesen, entweder direkt in staatlicher Hand oder in genossenschaftlichem Eigentum.
Die Privatisierungen erfolgten zum Teil in Folge des Altschuldenhilfegesetzes. Um den Großteil der DDR-Altschulden erlassen zu bekommen, mussten 15% der Bestände verkauft werden. Nicht wenige Expert/innen sind der Ansicht, dass die Altschulden aus DDR-Zeiten auch einfach hätten gestrichen werden können.
Mit stichprobenartigen Befragungen wurde auch die Wohnsituation in identischen Haustypen bei unterschiedlichen Eigentümern verglichen. In Marzahn-Mitte waren es 18-Geschosser mit 144 Wohnungen. Vier Exemplare gehören der Deutsche Wohnen, drei der landeseigenen Degewo und eines dem weniger bekannten Immobilienkonzern Grand City Properties.
Deutsche Wohnen und Degewo hatten eine recht gleichmäßige Verteilung der Mietdauer von durchschnittlich zwölf und zehn Jahren. Bei Grand City Properties ist ein großer Bruch zwischen Altmieter/innen und erst in den vergangenen fünf Jahren eingezogenen Mieter/innen beobachtet worden. Die Miethöhe zwischen den beiden Gruppen unterscheidet sich demnach extrem. Fallweise konnten die Mieten erfragt werden. Grand City Properties verlangte dabei warm für 75 bis 80 qm große Drei-Zimmer-Wohnungen bei Mietvertragsschluss vor zwei bis vier Jahren zwischen 1.100 und 1.200 Euro pro Monat. Von „Wuchermieten“ spricht dabei das Team von Gennburg.
Die Deutsche Wohnen langte bei vergleichbaren Konstellationen etwas weniger zu. In der Regel waren es teils deutlich unter 1.000 Euro. Die Mieten werden als „überhöht“ charakterisiert. Die landeseigene Degewo verlangt selbst für erst 2025 vermietete Wohnungen nur rund 600 Euro warm, laut Auswertung handelt es sich dabei um „leicht überhöhte“ Mieten.
Bei der Wohnzufriedenheit schnitten die beiden privaten Wohnungskonzerne am schlechtesten ab, vor allem wegen großen Instandhaltungsmängeln und nicht erfolgenden Reparaturen. Eitel Sonnenschein herrschte aber auch bei den Degewo-Mieter/innen nicht. Mangelnde Sauberkeit und häufige Fahrstuhlausfälle wurden als Gründe genannt.
Aufmerksam wurde das Team von Gennburg auch auf einen Privatvermieter, der bisher nicht im Fokus der Öffentlichkeit steht. Der D.V.I. Investment GmbH gehören rund 500 Wohnungen in Sechsgeschossern am Naumburger Ring in Hellersdorf, mit Erstbezug 1988. Laut Homepage besitzt das Unternehmen in und um Berlin fast 11.000 Wohnungen. Von Neumieter/innen würden „Wuchermieten“ verlangt, heißt es. Zudem lehne D.V.I., die Mieter/innen gegenüber vor allem als Hausverwaltung „Wohn-Union Immobilienmanagement GmbH“ auftritt, den Mietspiegel ab. „Bei Mieterhöhungen legt die D.V.I. eigene Gutachten vor, in dem eigene Vergleichsmieten aufgeführt werden“, berichtet das Team. Allerdings habe sich rund ein Viertel der Betroffenen dagegen gewehrt.