In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Auseinandersetzungen um bezahlbares Wohnen deutlich verschärft. Kein Wunder angesichts einer rasanten Verschlechterung der Wohnraumversorgung, die längst nicht mehr nur die klassischen Armutsmilieus, sondern auch immer weitere Teile der Mittelschicht existenziell bedroht. So entstand eine breite, sehr vielfältige Kultur des Widerstands: Politische Kampagnen, große und kleine Demonstrationen und Kundgebungen, Kiezfeste, Vernetzungstreffen, aber auch Formen zivilen Ungehorsams wie Besetzungen, Blockaden und Störaktionen gegen Veranstaltungen der Immobilienlobby.
Punktuell gab es kleine Erfolge, etwa gegen die Verdrängung aus einzelnen Häusern. Für die Betroffenen bedeutete das sicherlich eine große Erleichterung, aber angesichts des Tsunamis an anlagesuchendem Kapital ist es eben nur der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Strukturelle Verbesserungen wurden von einer Koalition aus Profiteuren der Wohnungsnot und ihnen verbundenen Politiker/innen stets abgeschmettert. Dabei liegen Lösungsansätze auf der Hand: Enteignung großer Immobilienkonzerne, sozialer, kommunaler Wohnungsbau und strukturelle Änderungen im Miet- und Mietpreisrecht. Aber ob die Wohnungskrise in einer profitgetriebenen Wirtschaft in Zeiten von Aufrüstung und Sozialabbau überhaupt lösbar ist, bleibt abhängig von den gesellschaftlichen Kräfteverhältnissen.
