„Housing First ist gut, das ist völlig klar“ , sagt der nordrhein-westfälische Sozialminister Karl-Josef Laumann bei der Abschluss-Pressekonferenz der Arbeits- und Sozialministerkonferenz im Dezember 2023. „Aber man muss schon relativ viel Kapital in die Hand nehmen, um da letztendlich etwas hinzukriegen“ , nennt der CDU-Politiker auch den Pferdefuß, den das ursprünglich aus den USA stammende Konzept nicht nur aus seiner Sicht hat.
Es geht darum, auch psychisch und/oder suchtkranken Obdachlosen eine eigene Wohnung zu verschaffen, ohne dass dies zwangsläufig an eine Entgiftung oder Therapie geknüpft ist. Die Wohnung ist Ausgangspunkt der Hilfe, die die Menschen dann selbst bestimmen. „Im politischen Raum sorgt das öfter für Verwirrung, weil es zusammengeworfen wird mit dem finnischen Ansatz. Die sind aus wohnungspolitischer Perspektive gestartet und haben Obdächer in eigene Wohnungen umgewandelt. Die Ansätze ähneln sich, haben aber auch wichtige Unterschiede“, sagt Julia von Lindern vom Bundesverband Housing First im Gespräch mit dem MieterEcho. Die Scheu vor der Übernahme der Kosten dürfte auch erklären, warum deutschlandweit bisher nur rund 500 Wohnungen für Housing First-Projekte akquiriert worden sind, wie eine grobe Abfrage des Bundesverbands Housing First ergeben hat. „Schätzungen, mehr haben wir leider nicht, sehen einen Bedarf für zirka 50.000 Menschen in der Straßenobdachlosigkeit in Deutschland“, sagt von Lindern. „Die Kommunen gehen bisher meistens über Modellprojekte mit einer Modellförderung heran. Durch die festen Etats, die politisch dafür zur Verfügung gestellt werden, erfolgt eine Deckelung“, so von Lindern. Die Verfügbarkeit von Wohnungen sei weniger ein Problem. „In Hamburg könnte Housing First mehr Wohnungen bekommen. Die Zielvorgabe des dortigen Senats von 30 zu versorgenden Personen verhindert das allerdings, da die Kosten für die Sozialarbeit begrenzt sind. Eine Ausweitung würde auf Kosten der Qualität gehen, auf der die hohe Wohnstabilität begründet ist“, erläutert die Expertin.
