Die Bundesregierung hat großspurig zwei Veränderungen angekündigt: Eine – nunmehr auf 2025 verschobene – Kindergrundsicherung und das Ersetzen von Hartz IV durch ein Bürgergeld.
Es sind insbesondere die Parteien der Agenda 2010 – SPD und Grüne –, die nun aus Hartz IV das Bürgergeld machen werden. Beide Parteien haben ein Interesse, mit Hartz IV nicht mehr in Verbindung gebracht zu werden. Denn es wird von sehr vielen Leuten gleichgesetzt mit sozialem Abstieg, Demütigung, Armut, Pflichtarbeit und Zwang. Im vorliegenden Gesetzesentwurf zum Bürgergeld vom 21. Juli 2022 heißt es: „dass eine grundlegende Weiterentwicklung nötig ist“. Man wolle „unnötige bürokratische Belastungen ab(zu)bauen.“ Die Agenda 2010 war ein Paradigmenwechsel für die SPD, ein Weg hin zum schlanken Staat und zum Ausbau des europaweit größten Niedriglohnsektors. Die Grünen Katrin Göring-Eckardt und Thea Dückert schwärmten schon im Mai 2003 u.a. vom „Fördern und Fordern“ und notwendigen „Sanktionen“. Sowohl für die Berliner Regierung als auch in der Zielvereinbarung von Bundesministerium für Arbeit und Soziales und Bundesagentur für Arbeit 2022 gilt der Glaubenssatz, dass gesellschaftliche Teilhabe nur durch Lohnarbeit erreicht werden kann, die aber gleichzeitig Pflichtcharakter hat. Ein individuelles Recht, Arbeitsangebote und Maßnahmen abzulehnen, unerträgliche und sinnlose Jobs ohne Einbußen zu kündigen, soll auch künftig nicht gewährt werden. Erreicht werden soll, wie es etwa im „Qualifizierungsplan 2022 der Berliner Agentur für Arbeit“ exemplarisch formuliert ist, dass „der Arbeitskräftebedarf der Unternehmen bedient“ wird – unter anderem des Flughafens Berlin-Brandenburg, der Produktionsstätte von Tesla in Grünheide und „im unteren Qualifikationsbereich der Betreuungsassistenz und der Pflegehilfe“.
