Die Gropiusstadt steht idealtypisch für den sozialen Wohnungsbau der 60er/70er Jahre in Westberlin. Für die einen ist sie eine grüne Idylle am Stadtrand, für die anderen das Ghetto, das Christiane F. in ihrer Autobiographie „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ beschreibt. Heute treten in Gropiusstadt die sozialen Probleme einer Stadt mit explodierendem und zunehmend liberalisiertem Mietwohnungsmarkt klar hervor. Eine Umsetzung des Volksentscheids Deutsche Wohnen & Co. enteignen könnte auf diese Probleme antworten und neue Möglichkeiten der Stadtteilentwicklung eröffnen.
Nahtlos an den von Birken licht umwachsenen Mauerweg anschließend ragt die Großwohnsiedlung mit rund 18.500 Wohnungen in die Höhe. Wenige Meter vom letzten Punkthochhaus entfernt erstreckt sich die Weite der brandenburgischen Pampa. Vom nahegelegenen, mit Wiesenpflanzen bewachsenen Müllberg – wo die DDR einst Westberliner Unrat gegen Devisen aufgeschüttet hat – lässt sich die beeindruckende Silhouette der Gropiusstadt mit ihren bis zu 30 Etagen hohen Punkthochhäusern bewundern. Viele Bewohner/innen schätzen die Wohnqualität, die mit der Hochhaussiedlung im Grünen verbunden ist, dennoch verdichten sich in ihrem Innenleben auch die an den Rand gedrängten Probleme einer sozial gespaltenen Gesellschaft. Aktuell wohnen hier knapp 38.000 Menschen. Die meisten der erwachsenen Bewohner/innen leben von niedrigen Löhnen oder Renten. Die Arbeitslosenquote ist stark überdurchschnittlich (ca. 10%), die Kinderarmut extrem hoch: Fast jeder zweite unter 15-Jährige lebt in einer Hartz-4-Bedarfsgemeinschaft.
