Der Zuzug von Berliner/innen in das unmittelbare Brandenburger Umland ist keine Perspektive, die sich für die Zukunft abzeichnet – er ist längst Realität. Welche Auswirkungen das schon heute auf den Brandenburger Wohnungsmarkt hat und welche politischen Maßnahmen jetzt aus linker Sicht gebraucht werden, soll dieser Artikel beleuchten.
Das Berliner Umland wächst. Zwischen 2011 und 2019 verzeichneten die an Berlin angrenzenden Kommunen laut Landesamt für Bauen und Verkehr einen Bevölkerungsanstieg von 10,4%. Mittlerweile wohnen knapp 40% der Brandenburger/innen im Berliner Umland. Knapp drei Viertel der Wanderungsgewinne seit 2017 resultierten dabei aus der Bundeshauptstadt. Doch auch in zentral gelegene und gut erreichbare Orte des weiteren Metropolraums wie Eberswalde, Beelitz, Nauen und Zossen ziehen seit 2013 mehr Menschen aus Berlin als in die Großstadt in der Mitte Brandenburgs abwandern – Tendenz steigend. Der Zuzug aus Berlin ist damit Realität. Um es gleich klarzustellen: Zuzug ist nicht per se schlecht. Er verlangt jedoch politische Rahmenbedingungen, die die negativen Effekte für die bereits in den Kommunen lebende Bevölkerung abwenden, eine Überlastung der örtlichen Infrastruktur verhindern und auch neu zuziehende Menschen ihren Bedürfnissen entsprechend unterstützen. Bisher wird dieser Prozess in Brandenburg jedoch vollends den Mechanismen des freien Marktes überlassen. Was das in der Entwicklung bedeutet, lässt sich am eindrücklichsten an den Bodenpreissteigerungen ablesen. So berichteten Lokalmedien erst vor wenigen Wochen, dass die Bodenpreise im Landkreis Potsdam-Mittelmark zwischen 2020 und 2021 so stark gestiegen seien wie noch nie. Kommunen wie Michendorf und Teltow verzeichneten innerhalb nur eines Jahres Preissteigerungen von 40 bzw. 20 Euro/qm auf 130 Euro. Spitzenreiter in Potsdam-Mittelmark ist seit Jahren Kleinmachnow. Hier stieg der durchschnittliche Bodenpreis innerhalb von 5 Jahren von 360 Euro auf 615 Euro/qm. Bei besonders attraktiven Grundstücken werden mittlerweile mehr als 1.000 Euro/qm aufgerufen. Ähnliche Entwicklungen wie in Potsdam-Mittelmark zeichnen sich in allen an Berlin angrenzenden Kommunen ab. Dass diese ebenfalls in die Fläche des Landes strahlen, zeigen Preissteigerungen in Orten wie Eberswalde, wo die Bodenpreise für individuelle Wohnbauvorhaben um 35% gestiegen sind, in einzelnen Wohnsiedlungen wie der Clara-Zetkin-Siedlung in Finow sogar um 70%. Hinzu kommt, dass in den Kommunen eigens verfügbarer Boden knapp wird. Notwendige Infrastrukturmaßnahmen, wie der Bau von Kitas und Schulen, aber auch neue Wohnungsbauprojekte etwa durch das eigene kommunale Wohnungsunternehmen oder lokale Genossenschaften werden erschwert, weil die Kommunen schlicht keine Flächen mehr haben, auf denen dies realisierbar wäre. Wollen sie dennoch bauen, müssen sie neben den explodierenden Baukosten auch die Bodenpreissteigerungen aufwenden.
