Dass die Immobilienbranche gegen Enteignungsdiskussionen und Mietendeckel mobilisiert, war nicht anders zu erwarten. Dass aber auch die Genossenschaften in dieses zutiefst unsoziale Konzert einstimmen, enttäuscht doch sehr. Genossenschaften sind vom Gesetz verpflichtet, ihre Mitglieder zu fördern, was eine vollkommen andere Ausrichtung der Unternehmenstätigkeit vorgibt, als es bei profitorientierten Immobilienunternehmen der Fall ist.
Es gibt allerdings nicht „die Genossenschaften“, denn in der Praxis unterscheiden sich die Genossenschaften erheblich voneinander. Es sind auch keineswegs „die Genossenschaften“, die sich jetzt voller Entrüstung gegen Enteignungen und Mietendeckel positionieren, sondern einzelne Verbände. Und in denen haben die Vorstände der Genossenschaften das Sagen, nicht die Mitglieder. Am 15. Oktober fand im Treffpunkt der Genossenschaft Möckernkiez in Kreuzberg eine Veranstaltung zum Thema „Sind Enteignung und Mietendeckel der richtige Weg?“ statt. Sie kam zustande infolge eines offenen Briefes, mit dem Mitglieder mehrerer Berliner Genossenschaften im Juli die Positionen des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) kritisiert hatten. BBU-Vorständin Maren Kern bot daraufhin ein Gespräch an. Sie diskutierte mit Helga Conrad von der Wohnungsbaugenossenschaft Friedrichshain und dem ehemaligen Berliner Integrationsbeauftragten und Mitglied der Möckernkiez Genossenschaft Günter Piening, die beide den offenen Brief unterschrieben hatten. Es moderierte Uwe Rada von der taz.
