Frau Kapeks Traum vom Bio-Bauernhof
Dass zu Mauerzeiten geborene Westberliner/innen ein gewisses Defizit in Bezug auf Landluft und kleinbäuerliche Idylle mit sich herumtragen, liegt auf der Hand. Das ist auch nicht weiter schlimm, denn mittlerweile hat die Stadt wieder ein gut erreichbares Umland und verfügt über Verkehrsverbindungen, die in kurzer Zeit das Erreichen von müffelnden Kuhställen, weitläufigen Äckern, imposanten Obstplantagen und allerlei Biotopen ermöglichen. Sogar der Wolf hat sich im benachbarten Brandenburg mittlerweile stark ausgebreitet. Doch einer viel beschäftigten Politikerin wie Antje Kapek, die im Berliner Abgeordnetenhaus der Fraktion der Grünen vorsitzt, reicht das offenbar nicht aus. Zwar hat die Kreuzbergerin auch vor der Haustür diverse Natursimulationen, vom Urban Gardening am Moritzplatz bis hin zur Edelöko-Markthalle Neun in der Eisenbahnstraße, und vielleicht wachsen auch auf ihrem Hausdach Tomaten und Gurken, doch Kapek will mehr. „Es fehlt in Berlin an Flächen für die urbane Landwirtschaft“, erklärte sie im rbb . Und da gebe es ja in Pankow „einen wundervollen Acker“, der für „kleinbäuerliche, biologisch produzierende Betriebe“ genutzt werden solle. Bei besagtem Acker handelt es sich um die Elisabeth-Aue, ein 70 Hektar umfassendes landeseigenes Areal, das eigentlich seit 2015 für den Bau von 5.000 Wohnungen vorgesehen war. Für Kapek ein absolutes No Go. Sie strebt jetzt eine Nutzungsfestlegung an, um dort Wohnungsbau dauerhaft zu verhindern. Nun hat Berlin leider ein „kleines Problem“. Die Stadt wächst und mit ihr die Zahl der Wohnungslosen. Die Mieten explodieren und einige Stadtteile sind für Normalverdiener kaum noch erschwinglich, der Neubau dümpelt vor sich hin. Aber man muss halt Prioritäten setzen, und das bedeutet für Kapek „urbane Landwirtschaft“ statt Wohnungsbau. Man könnte darüber einfach nur genervt den Kopf schütteln. Doch dummerweise sind derartige Geisteshaltungen zentraler Bestandteil der Stadtentwicklungspolitik des amtierenden Berliner Senats. Rainer Balcerowiak
