Radical Housing Network, Droit Au Logement, Frontul Comun pentru Dreptul la Locuire. Auch ohne Sprachkenntnisse lässt sich erahnen, dass es sich diese Gruppen auf die Fahne geschrieben haben, das Recht auf eine angemessene Wohnung durchzusetzen, und zwar auf europäischer Ebene.
Für die meisten Menschen ist Wohnen ein existenzielles Gut, für wenige eine profitable Anlagemöglichkeit. Um diesem Hunger des Kapitals nach Verwertung etwas entgegenzusetzen haben sich 30 stadtpolitische Gruppen aus 20 europäischen Ländern in der European Action Coalition for the Right to Housing and to the City (EAC) zusammengeschlossen. Seit der Gründung im Jahr 2013 in Essen und Athen gibt es halbjährliche Treffen zum Erfahrungsaustausch und zur Abstimmung einer gemeinsamen Strategie. Anfang Juni versammelten sich die europäischen Aktivist/innen in Berlin. Ausrichter waren das Bündnis Zwangsräumung verhindern und die Solidarischen Aktion Neukölln. An insgesamt vier Tagen wurden verschiedene Workshops angeboten, die sich unter anderem Themen wie der Gründung und Moderation von Mietergruppen widmeten. Bei mehreren internen Treffen ging es um Finanzierungsfragen für die europäische Vernetzung, die Weiterentwicklung der Öffentlichkeitsarbeit, die Strukturen des Bündnisses und die Schwerpunkte der Arbeit in den kommenden Monaten. Auf Stadtteilrundgängen in Neukölln wurde über die konkreten Erfahrungen mit Verdrängung und Widerstand in diesem Bezirk informiert. Die europäischen Gäste beteiligten sich auch an einer Protestaktion der Initiative Deutsche Wohnen & Co enteignen. Ein Filmabend über den zweijährigen Kampf rumänischer Roma gegen ihre Zwangsräumung lenkte den Blick auf Osteuropa. Wobei der anwesende Filmemacher klar stellte, dass Korruption in diesem Land zwar eine große Rolle spiele, das Hauptproblem aber ganz banal in der kapitalistischen Verwertung der Stadt liege. Der kapitalistischen Verwertung droht auch das seit 1994 besetzte Rozbrat im polnischen Poznan zum Opfer zu fallen. Das Rozbrat, das älteste besetzte Haus Polens, ist ein kultureller und politischer Treffpunkt und an unzähligen Mieter- und Gewerkschaftskämpfen beteiligt. 1948 wurde das Gelände verstaatlicht, aber mit dem Übergang des Landes zum Kapitalismus mit hohen Krediten reprivatisiert. Der Käufer ging bankrott, die Bank verkaufte das Darlehen an ein Schuldenhandelsunternehmen, das das Grundstück nun verkaufen will. Damit würde dem Rozbrat die Zwangsräumung drohen. Die lokale Politik verweigert jede Unterstützung mit dem üblichen Argument, ihr seien die Hände gebunden. So kommt die Stärke der EAC ins Spiel – die europaweite Vernetzung. Denn das Rozbrat benötigt nun sowohl finanzielle Unterstützung für die juristische Auseinandersetzung wie auch politischen Druck durch öffentliche Aktionen in vielen europäischen Ländern.
