Rund 60 Menschen, darunter viele Aktivist/innen der Mieter/innenbewegung, trafen sich am 2. April an der Baustelle des Hauses der Statistik in Berlin-Mitte zu einer Bustour. In den nächsten vier Stunden ging es kreuz und quer durch Berlin zu Orten, an denen gut erhaltene, oft erst vor kurzer Zeit sanierte Gebäude abgerissen werden sollen oder bereits verschwunden sind. In den vergangenen 5 Jahren wurden in Berlin rund 10.000 Wohnungen abgerissen.
Dagegen hat sich vor einigen Monaten das Bündnis gegen Abriss in Berlin gegründet, das auch die Bustour organisiert hat. Sebastian Diaz de Delon, einer der Mitbegründer des Bündnisses, erklärt gegenüber MieterEcho die Intentionen der Gruppe. Zum einen würden die bestehenden Wohngebäude durch sehr viel höherpreisigen Neubau ersetzt. Zudem verursache der Abriss, die Entsorgung und der Neubau von Gebäuden einen enormen Ressourcenaufwand, der angesichts der Klimakrise nicht zu rechtfertigen sei. „Wir haben das Bündnis gegen Abriss gegründet, um die große Zahl an bedrohten Gebäuden und Bewohner/innen in ganz Berlin deutlich zu machen und den Austausch untereinander zu ermöglichen. Wir wollen so die einzelnen lokalen Kämpfe um den Erhalt der Häuser stärken, sowie eine generelle Kritik an der gegenwärtigen Praxis von Abriss und anschließendem Neubau üben“, so Diaz de Delon. Die ökologische Problematik habe dabei einen sehr hohen Stellenwert: „Der Gebäudesektor verursacht 40% des gesamten CO2-Ausstoßes in Deutschland. Durch Abrisse wird die in den Gebäuden bei ihrem Bau aufgewendete und seitdem im Gebäude gespeicherte ‚graue Energie‘ freigesetzt. Dazu kommt, dass der Neubau erneut Energie und wertvolle Ressourcen verbraucht. Und über 40% des gesamten deutschen Abfalls sind Bau- und Abbruch-Abfälle. Die Klimakrise verlange nach einem „radikalen Wandel im Umgang mit Bestandsgebäuden“.
