Es steht derzeit nicht besonders gut um den Wohnungsneubau. Der rapide Anstieg der Zinsen bescherte dem von niedrigen Kapitalkosten getriebenen zehnjährigen Wohnungsbauboom in Deutschland ein jähes Ende. Das Auftragsvolumen in der Bauwirtschaft ging im Jahr 2023 gegenüber dem Vorjahr um mehr als 22% zurück, die Zahl der Baugenehmigungen sackte um fast 30% ab. Wirtschaftsforschungsinstitute verschiedener Couleur, wie das gewerkschaftsnahe IMK und das unternehmerfreundliche ifo-Institut, gehen einhellig davon aus, dass in 2024 und 2025 weniger Wohnungen gebaut werden als in den vorhergehenden Jahren.
Schlechte Nachrichten für die Ampel-Regierung und deren Bauministerin Klara Geywitz (SPD). Hatte man sich doch 2021 vorgenommen, den dramatischen Wohnungsmangel und die vielerorts horrenden Mieten ganz marktkonform vor allem durch privaten Wohnungsneubau zu bekämpfen und nicht etwa durch eine striktere mietrechtliche Regulierung oder öffentliche Bauprogramme. Da die erhofften privaten Investitionen angesichts hoher Finanzierungskosten nun reihenweise ausfallen, macht sich im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) offenbar Nervosität breit. Das Ziel der Bundesregierung, pro Jahr 400.000 Wohnungen, davon 100.000 gefördert, errichten zu lassen, ist auf absehbare Zeit nicht erreichbar. Offiziell abrücken möchte man davon aber dennoch nicht. Ende September 2023 fand im Bundeskanzleramt ein „Wohnungsbaugipfel“ statt, ursprünglich um die vermeintlichen Erfolge des vom Bauministerium initiierten „Bündnis für bezahlbaren Wohnraum“ zu bilanzieren, an dem zahlreiche Verbände aus der Bau- und Wohnungswirtschaft, aber auch Sozial- und Umweltverbände sowie Gewerkschaften beteiligt sind. Da es aber wenig Erfolge vorzuweisen gab und einzelne Lobbyverbände bereits mit dem Ausstieg aus dem Bündnis drohten, wurde vom Ministerium eiligst ein Paket aus 14 Maßnahmen zusammengestellt, mithilfe derer der lahmende Wohnungsbau wieder angekurbelt werden soll. Darin finden sich einige Forderungen, die von Lobbyverbänden der Immobilienwirtschaft schon länger erhoben werden.
