Das moderne Gebäude mit den großen Fenstern ganz am Ende der Schulze-Boysen-Straße in Berlin-Lichtenberg fällt schon optisch auf. Zudem ist bemerkenswert, dass keine großen Zäune den Zutritt zum Areal in der Schulze-Boysen-Straße 38 versperren. Schließlich soll das Nachbarschaftshaus Kiezspinne, das in dem Gebäude sein Domizil hat, für alle Menschen barrierefrei erreichbar sein.
Schon am Vormittag vertreiben sich viele Kinder und Jugendliche dort die Zeit. Einige spielen auf dem Rasen, andere besuchen in einem der Räume die angebotenen Kurse. Die Jugendarbeit ist eine wichtige Säule der Kiezspinne. Doch auch die ältere Generation nimmt die zahlreichen Angebote gerne wahr. Andere bieten selber eine Arbeitsgruppe an. Wie vielfältig die Auswahl ist, wird auf dem Faltblatt deutlich, das in dem lichtdurchfluteten Foyer der Kiezspinne ausliegt. Dort finden sich auch die Termine für die zahlreichen Selbsthilfegruppen für Beschwerden und Krankheiten aller Art, die sich in den Räumlichkeiten regelmäßig treffen. Die Liste beginnt bei A wie Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätstsyndrom (ADHS) im Erwachsenenalter und endet bei V für vietnamesische Senior/innen zum Thema Gesundheit. Denn seit der Gründung gehört es zu den Grundsätzen der Kiezspinne: Offen zu sein für alle Menschen, die in Lichtenberg wohnen, egal wo sie geboren wurden. Für Deutschtümelei aller Art ist dort kein Platz. „Schließlich ist es für eine Person, die Depressionen oder Diabetes hat und sich vernetzen will, egal, ob sie in Berlin, Hanoi oder Kairo geboren ist“, sagt die Frau, die gerade am Tresen im Foyer arbeitet. Dort werden Getränke und auch ein Mittagstisch zu geringen Preisen angeboten. Auch hier wird darauf geachtet, dass vor allem die Menschen in der Nachbarschaft bedient werden. Schließlich heißt es in den Leitsätzen des Vereins, der 1993 in einem der wenigen alten Gebäude im Schulze-Boysen-Kiez gegründet wurde: „Verwurzelt im Lichtenberger Stadtteil Frankfurter Allee Süd sieht der Verein hier sein erstrangiges Tätigkeitsfeld mit dem Bestreben, gute Nachbarschaft zu entwickeln und eine Atmosphäre des Miteinanders zu fördern.“ Auch politische Gruppen im Stadtteil nutzen die Räumlichkeiten der Kiezspinne. So hat die Kiezversammlung Lichtenberg vor einigen Monaten dort eine Diskussionsveranstaltung über revolutionäre Stadtteilarbeit organisiert.


