„Entschuldigung!“ , ruft jemand hinter mir. Ich drehe mich abrupt um und stehe vor einer Sackkarre, auf der sich die Kartons so hoch stapeln, dass der junge vietnamesische Mann dahinter kaum zu erkennen ist. Ich weiche aus und er bahnt sich den Weg weiter durch die Gänge des Ladens. Routiniert schiebt er die schweren Kisten mit asiatischen Lebensmitteln vor sich her.
Überall hocken und stehen Menschen, eilen Arbeiter/innen vorbei, packen Kisten aus und sortieren Waren in die Regale: Reispapier, Fischsauce, fermentierte Bohnen, Blattgemüse, aber auch getrocknete und tiefgekühlte Ware. Selbst lebende Fische und Krustentiere lassen sich hier aus Aquarien kaufen. Auf dem Boden vor den Kühlschränken liegen zerrissene Kartons, die als Bodenunterlage dienen. Eine Frau steht an einem Klapptisch, auf dem eine melonengroße, gelbgrüne, stachelige Frucht liegt, in ihren Händen ein langes Hackmesser mit Bambusgriff. Vorsichtig schneidet sie die Frucht in zwei Hälften. Das zellartig unterteilte Fruchtfleisch kommt zum Vorschein, bevor sie es in Styroporschalen abpackt. Süßliche Zwiebel? Käse? Ein einzigartiger Geruch durchdringt mich und ich rümpfe die Nase. Der Geruch der Quả Mít, die in Deutschland auch als Jackfrucht bekannt ist, schreckt zunächst ab. Ihr buttriger, frischer Geschmack kann dann aber durch seine Ähnlichkeit mit Mango, Banane und Apfel überzeugen. Ob frisch serviert, in Gebäck, Eis oder anderen Gerichten verarbeitet, findet sie im Dong Xuan Center eine große Käuferschaft. Dieser asiatische Lebensmittelladen ist nur eines der vielen Geschäfte in den Hallen des Großhandelszentrums in Lichtenberg, das nach dem Markt in der Altstadt Hanois benannt ist. Wenn ich Fernweh habe, besuche ich regelmäßig diesen ganz speziellen Ort inmitten Ostberlins. Schlendere ich dann durch die Hallen, erlebe ich „Klein Hanoi“ mit allen Sinnen. Dicht an dicht wartet hinter jeder Tür ein Laden mit einem einzigartigen Warensortiment. Auf einer Fläche von über 165.000 qm vermietet die Dong Xuan GmbH in sechs Hallen Gewerberäume für mehr als 400 Unternehmen mit rund 2.000 Beschäftigten.

