„Der Wedding: Vom Kleine-Leute-Viertel zum Szenekiez“ So und so ähnlich preisen Immobilienunternehmen seit Jahren ihre Projekte in den 1861 eingemeindeten Vorstädten Wedding und Gesundbrunnen an. Längst droht dem Bezirk besonders in den begehrten Altbauquartieren eine ähnliche Entwicklung, wie sie in Kreuzberg, Prenzlauer Berg und Nord-Neukölln schon weit fortgeschritten ist.
Die Geschichte dieses Stadtteils wurde von vielen Sprüngen und Brüchen geprägt. Schnell entwickelte sich das zuvor hauptsächlich landwirtschaftlich genutzte Dorf Wedding zu einem industriellen Kern der boomenden Stadt. Die kleinteilig und unzusammenhängend bebaute Vorstadt wurde wie aus dem Nichts zur Großstadt mit 330.000 Einwohner entwickelt. Viele große Industriebetriebe haben sich dort in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts angesiedelt, darunter AEG, die Berliner Maschinenbau AG, Schering, Rotaprint, Osram und die erste industrielle Brotfabrik Wittler. In extrem verdichteter Bauweise wurden Quartiere für die Arbeiter errichtet, in denen die Arbeiter und ihre Familien unter kaum noch vorstellbaren hygienischen und räumlichen Bedingungen leben mussten. Oftmals wurden die einzelnen Parzellen mit einem Vorderhaus und 4-5 Hinterhöfen bebaut. 1920 wurde der Wedding im Rahmen der Bildung von Groß-Berlin als eigener Stadtbezirk konstituiert. In den 1920er Jahren wurde der Bezirk zu einer Hochburg der Arbeiterbewegung, der „Rote Wedding“ entwickelte sich zu einem Mythos, der – nicht zuletzt aufgrund des gleichnamigen Liedes – auch heute noch in linken Kreisen gepflegt wird. Zunächst die USPD und nach deren Auflösung die KPD und die SPD dominierten die Bezirkspolitik. Auch für die Terrorbanden der SA war der Wedding ein Hotspot. Ab Anfang der 1930er Jahre gab es regelmäßige, oftmals blutige Überfälle und Straßenschlachten, nach der Machtergreifung der NSDAP landeten viele Kommunisten und Sozialdemokraten aus dem Wedding im Gefängnis und später im KZ.
