Nach fünf Jahren gibt es in Berlin wieder einen qualifizierten Mietspiegel. Ein Grund zum Freuen ist das für die Berliner Mietenden grundsätzlich nie, zumindest für die Mieten im Bestand. Denn Bestandsmieter/innen werden sich auf die nächsten Mieterhöhungen vorbereiten müssen. Allenfalls die Tatsache, dass mit einem Mietspiegel auch für die Vermieterseite Grenzen nach oben gezogen sind, mag für Mieter/innen eine gewisse Kalkulation der Mietsteigerung zulassen, um das Haushaltseinkommen nach der Mietzahlung einschätzen zu können. Aber das ist ein sehr giftiger Vorteil.
Für diejenigen, die überteuerte und damit – bezogen auf die Miete – rechtswidrige Neuverträge schließen, ist der Mietspiegel 2024 jedoch immerhin eine sichere Bank, die Miete abzusenken. Denn durch den Wohnungsmangel ist es für Vermieter mittlerweile leicht, aus den ranzigsten Buden Quadratmeterpreise jenseits von Gut und Böse zu erzielen. Seit 2019 ist viel passiert: Mietendeckel, Corona, zwei fortgeschriebene, rechtlich aber „einfache“ Mietspiegel und eine gesetzliche Mietspiegelreform. Doch alles der Reihe nach. Eigentlich hat der – im Ergebnis verfassungswidrige – Berliner Mietendeckel von 2020 doch mehr „Atempause“ für Berlins Mietende erreicht, als dessen Macher/innen erahnt haben. Denn durch den Mietendeckel war – bis zu seiner Zerstörung durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe – die Erstellung des Mietspiegels praktisch auf Eis gelegt worden. Als dann ein neuer Mietspiegel erstellt werden musste und Corona dies erheblich erschwerte, schrieb man den Mietspiegel in 2021 mit einer pauschalen Erhöhung von 1,1% auf alle Nettomieten fort, was fast wie ein kleines Geschenk in der sonst so schweren Zeit erschien. In 2023 hätte der neue Mietspiegel erstellt werden müssen, aber da um die Erstellung ein Konkurrenzkampf zwischen Statistikinstituten tobte und dieser gerichtlich entschieden werden musste (wir berichteten), verzögerte sich die Neuerstellung, und 2023 wurden pauschal 5,4% auf alle Nettomieten draufgeschlagen. Die Vermieter wollten damals deutlich mehr, und es ist ein Ergebnis unserer Verhandlungshärte gewesen, dass es bei dieser Zahl blieb. Am Ende ergibt das für fünf Jahre eine Steigerung um 1,3% pro Jahr, was die Hälfte dessen ist, was durchschnittlich pro Jahr vor 2019 auf die Nettomieten draufkam. Eine Atempause, die wir Mieter/innen zwar nicht in der Hand hatten, wie auch sonst alles in dieser Sorte Wirtschaftsweise, aber immerhin …

