Dass Mieter/innen – vor allem, wenn sie nicht vermögend sind – Probleme haben, in Berlin eine Wohnung zu finden, braucht man im MieterEcho nicht besonders zu betonen. Doch es gibt Hunderttausende, die in Berlin noch ganz spezielle Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche haben. Es handelt sich um die Menschen, die in Berlin leben und arbeiten und trotzdem keine Meldeadresse in der Stadt haben. Betroffene sprechen von einem Teufelskreis: ohne Meldeadresse keine Wohnung – ohne Wohnung keine Meldeadresse.
Denn meistens ist eine Meldeadresse in der Stadt eine der Voraussetzungen, um eine Wohnung mieten zu können. Allerdings wird die Meldeadresse erst registriert, wenn man einen Mietvertrag vorweisen kann. Das betrifft besonders Menschen, die neu nach Berlin kommen und keine Meldeadresse vorweisen können. Das Handicap betrifft nicht nur die Wohnungssuche. „Sie müssen eine Zurückweisung nach der anderen hinnehmen. Ob es nun darum geht, ein Bankkonto zu eröffnen, eine Krankenversicherung abzuschließen, einen Arbeitsvertrag zu unterzeichnen, eine Steuer-ID zu erhalten oder eine offizielle Adresse zu haben, an die man Post schicken kann: In Deutschland ist die Anmeldung für fast jede Art von Verfahren notwendig“, benennt eine Betroffene die Schwierigkeiten, denen sie ausgesetzt ist. Und bei der Wohnungssuche in Berlin setzt sich die Diskriminierung fort, wie Laura Gallo Tapas und Jason Kustos in der Zeitschrift Lateinamerika Nachrichten beschreiben. „Dazu gehören nicht nur die Sprachbarrieren, das Unwissen über die Bürokratie, die prekarisierten Arbeitsbedingungen und die fehlenden Unterstützungsnetzwerke. Wenn es darum geht, eine Wohnung zu finden, erleben wir systematische Ausgrenzung und Diskriminierung“, heißt es dort. Durch den Mangel an bezahlbarem Wohnraum in Berlin finden Zugezogene und selbst alteingesessene Berliner/innen häufig nur Zimmer oder Wohnungen zur Untermiete, und oft nur zur Zwischenmiete. Besonders in Wohngemeinschaften wird diese Art von Wohnraum meist nur mit der Einschränkung „Keine Anmeldung möglich“ angeboten. Denn Eigentümer/innen können einsehen, wer in ihren Wohnungen gemeldet ist und verwehren oftmals die Genehmigung zur Untervermietung, um die Wohngemeinschaften loszuwerden und den Wohnraum gewinnbringend neu zu vermieten oder zu verkaufen.
