Die bezirklichen Planungen für das umstrittene, riesige Bauprojekt am Kreuzberger Hafenplatz liegen seit Mitte Juni erstmal auf Eis. Der Friedrichshain-Kreuzberger Baustadtrat Florian Schmidt (Grüne) machte diesen Entschluss zunächst in der Bezirksverordnetenversammlung öffentlich und verschickte im Anschluss eine Pressemitteilung.
„Meine Gespräche ergaben, dass das Vertrauen vieler Beteiligter in die Hedera Bauwert derzeit stark reduziert ist“, erklärte Florian Schmidt darin. Eine Kooperation mit dem Projektentwickler sei „unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht möglich“, so der Stadtrat weiter. Dabei wurde noch Anfang des Jahres eine aufwändige Präsentation vorgestellt, in der von der nachhaltigen, sozialen und gemischten Zukunft der geplanten Bebauung mit über 900 Wohneinheiten, Gewerbeflächen und Büros die Rede war. Die 274 geplanten Sozialwohnungen auf dem Areal sollte die landeseigene Gewobag übernehmen. Dafür sollten die maroden Bestandsbauten aus den 1970er Jahren mit knapp 360 Wohnungen, die sich um einen pyramidenartigen Zentralbau gruppieren, abgerissen werden. Zwar gab es Zusicherungen, dass die rund 300 Bestandsmieter/innen trotz Abriss und Neubau nicht verdrängt werden. Doch wie verlässlich solche Zusagen sind, weiß man im Zweifelsfall erst, wenn es zu spät ist, wie in Berlin schon viele Mieter/innen schmerzlich erfahren mussten. Zumal hinter der Hedera Bauwert der stadtbekannte Immobilieninvestor Ioannis Moraitis steht. Schlechte Presse und öffentliche Empörung begleiten seit vielen Jahren sein Berliner Wirken. Angefangen hat es 2015 mit der Kündigung des Gemüseladens Bizim Bakkal im Kreuzberger Wrangelkiez. Die Gekko Real Estate GmbH von Moraiti Moraitis hatte das Haus Wrangelstraße 77 unter ihre Kontrolle gebracht, der Gemüseladen stand der Verwertung zur Maximalrendite offenbar im Weg. In dieser Situation hatte sich die stadtpolitische Initiative Bizim Kiez gegründet.
