Berlin wächst und wächst. Im vergangenen Jahr stieg die Bevölkerungszahl um über 41.000 Personen. Inzwischen leben mehr als 3,7 Millionen Menschen in der Stadt. Das geht aus der kürzlich veröffentlichten Einwohnermeldestatistik hervor. Der Wohnungsbau hingegen bleibt weiter stark hinter dem Bedarf zurück.
Von dem starken Wachstum blieb kein Bezirk ausgenommen. Am stärksten war der Zuwachs in den Bezirken Mitte, Treptow-Köpenick und Pankow, am schwächsten in Spandau, Neukölln und Reinickendorf. Sinkende Einwohnerzahlen gab es nirgends. Pankow hat jetzt als erster Bezirk mehr als 400.000 Einwohner/innen. Wäre Pankow eine eigene Stadt, wäre sie die sechzehntgrößte in Deutschland. Es setzt sich mit diesen Zahlen der Trend der vergangenen Jahre fort. Nachdem sich die Einwohnerzahl Berlins um die Jahrtausendwende noch weitgehend stabil verhielt und zeitweise sogar leicht rückgängig war, ist seit gut einem Jahrzehnt ein enormer Bevölkerungszuwachs zu beobachten. Er stieg ab dem Jahr 2011 nochmals rapide an und verharrt seitdem auf diesem sehr hohen Niveau. Interessant ist hierbei die Zusammensetzung der zugezogenen Personen. Zu einem großen Teil sind es Bürger/innen der osteuropäischen EU8-Staaten, für die seit 2011 die Arbeitnehmerfreizügigkeit besteht, sowie Menschen aus den Ländern Rumänien und Bulgarien, die 2007 der EU beitraten. Ferner war in den letzten Jahren ein vermehrter Zuzug aus den sogenannten GIIPS-Ländern (Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien) zu verzeichnen. Der Grund hierfür darf in den dortigen wirtschaftlichen Entwicklungen infolge der Finanzkrise vermutet werden. Seit 2015 kamen zudem vermehrt Geflüchtete aus Bürgerkriegsregionen dazu. Unabhängig davon, ob es sich um Geflüchtete, Krisenverlierer/innen oder Arbeitnehmer/innen auf der Suche nach einer Beschäftigungsstelle handelt, zeigt die Zusammensetzung der zuwandernden Haushalte eines sehr deutlich. Die Krisen und Verwerfungen des globalen Kapitalismus schlagen sich auf den mitteleuropäischen Wohnungsmärkten nicht nur in Gestalt von nach Rendite in „Betongold“ suchenden Investoren nieder, sondern sie führen auch zu wachsender Nachfrage von nicht bzw. wenig zahlungskräftigen Haushalten nach Wohnraum. Denn alle diese Personengruppen dürften gemeinsam haben, dass sie nur über relativ geringe verfügbare Haushaltseinkommen verfügen. Diese Neuzuzüge werden bzw. müssen Mietwohnungen im preisgünstigen Segment nachfragen, also dort, wo eh schon der größte Mangel besteht. Daraus ergibt sich ein spezieller wohnungspolitischer Handlungsbedarf. Es ist die Verantwortung der Politik, geeignete Strategien zu entwickeln, um hier eine ausreichende Angebotserhöhung zu bewirken. Das ist nicht zuletzt wichtig, um auf dem Wohnungsmarkt die Zuspitzung gefährlicher Konkurrenzsituationen zu verhindern, wie man sie im Frühjahr dieses Jahres in den Diskussionen um die knappen Vorräte der „Tafeln“ eindrücklich hat beobachten können. Das bisherige wohnungspolitische Engagement reicht bei Weitem nicht aus. Und das, obwohl dem Senat die Zahlen gut bekannt sind.
