Was man an Berlin mögen kann, ist die unendliche Weite der Stadt. Ein Freund von mir setzt sich regelmäßig mit seiner kleinen Tochter in die städtische Bahn und spontan entscheiden sie dann, wann sie aussteigen. Dann erkunden sie die Stadt. Käme man mit der U5 zufällig in Friedrichsfelde an, dann könnte man alles über modernes Wohnen in Zeiten von Wohnungsnot, ja sogar über die Geschichte des modernen Städtebaus erkunden.
Die Geschichte des Hans-Loch-Viertels fängt mit einer bitteren Wahrheit an. Für das damals modernste Neubaugebiet der DDR mussten Kleingartensiedlungen weichen. Vielleicht war die Akzeptanz der Räumung einer Kleingartensiedlung damals größer. Nach dem Krieg wohnten viele Familien in ihren Lauben ohne Wasser und ohne Strom. Die Hoffnung auf eine Neubauwohnung war vielleicht so groß, dass die Räumung geliebter Gärten für eine neue Wohnung leichter fiel. Der Garten war nicht romantisch. Die Freude auf eine eigene Wohnung groß. Der Architekt und Stadtbaurat Martin Wagner ließ bereits in den Jahren 1926/27 die ersten Häuser in Plattenbauweise in Friedrichsfelde errichten. Vorläufer des modernen Bauens gab es also auch in diesem Kiez. Bekannter ist die Bruno-Taut-Siedlung im Schillerkiez im Wedding neben dem ersten Volkspark Berlins, dem Schillerpark. Zu der Zeit lebten die vom Land eingewanderten Industriearbeiter/innen Berlins unter katastrophalen Wohnbedingungen. Das Bauhaus und die sich daraus entwickelnde Moderne eröffnete mit dem industriellen Bauen die Möglichkeiten für einen Wohnungsbau für alle. Es war der Stadtbezirk Lichtenberg, der 1956 einen gesamtdeutschen städtebaulichen Wettbewerb auslobte. Der Gewinner war ein Hamburger Architekt, Hans May, der jedoch von der DDR-Regierung abgelehnt wurde. Nach der Fertigstellung der Stalinallee richtete sich das Interesse der DDR auf die Errichtung ganzer Großsiedlungen. Ende der 1950er Jahre konnte das VEB Berlin-Projekt unter Leitung von Werner Dutschke, Gerd-Heinz Brüning und Leopold Weil mit seinem Entwurf für eine Großsiedlung überzeugen. VEB steht für Volkseigener Betrieb.
