Ende August versammelten sich mehrere hundert Menschen bei einem Straßenfest vor dem Eckhaus Weserstraße 164/ Wildenbruchstraße 85 und 86 in Neukölln, um gegen den Verkauf des Mietshauses an eine Tochterfirma des Immobilienkonzerns Akelius zu protestieren. Es besteht der Verdacht, dass der Verkauf auf dem Weg eines Share Deals abgewickelt worden sein könnte, um das bezirkliche Vorkaufsrecht auszuhebeln.
In dem Haus mit drei Aufgängen wohnen etwa 40 bis 50 Mietparteien, außerdem gibt es im Erdgeschoss mehrere Gewerbeeinheiten, die größte davon ist an das kollektiv geführte Café k-fetisch vermietet. Um die Jahrtausendwende wurde das Haus, nachdem es lange von einer Erbengemeinschaft verwaltet wurde, erstmals an einen Immobilienkonzern verkauft, zunächst an die Palu Suisse AG, dann die Dritte Cimarron GmbH. Anfang August erhielten die Mieter/innen Post, dass der Eigentümer nun die A.R.O 55 GmbH sei und Akelius mit der Hausverwaltung beauftragt worden sei, berichtet der Mieter Klaus Fischer*. „Der erste Schritt für uns war, Einsicht ins Grundbuch zu nehmen. Dort war du dem Zeitpunkt noch immer die Dritte Cimarron GmbH als Eigentümerin eingetragen.“ Einige Mieter/innen baten Akelius schriftlich, sich als Hausverwaltung zu legitimieren, was auch erfolgte. Am 20. August wurde die A.R.O 55 GmbH ins Handelsregister eingetragen, Geschäftsführer ist dabei der Chef von Akelius in Europa, Ralf Spann. Die Anschrift ist mit der der Akelius Berlin GmbH identisch. Die Mieter/innen haben dem Handelsregister auch entnommen, dass der vormalige Eigentümer zu knapp 90% von der A.R.O. 55 übernommen wurde. Dies entspräche den von Finanzminister Olaf Scholz vorgeschlagenen Neuregelungen für Share Deals, die aber noch nicht als Gesetz verabschiedet wurden. Bei einem Share Deal wechseln statt Immobilien Unternehmensanteile den Besitzer. Auf diesem Weg entfällt für das erwerbende Unternehmen die Grunderwerbssteuer, wenn der alte Eigentümer für 5 Jahre – und nach der geplanten Reform für 10 Jahre – seine restlichen Anteile an dem Unternehmen hält.
