„Weiße Siedlung“ wird das markante Wohnensemble mit seinen bis zu 18-geschossigen Hochhäusern an der Neuköllner Sonnenallee genannt. Doch zunehmend prägen auch schwarze Rußfahnen die Fassaden der einstigen Sozialbauten. Bereits vor zwei Jahren ist eine Wohnung im fünften Stock eines der Häuser ausgebrannt. „Da nisten inzwischen die Tauben drin“, berichtet Mieterin Silke Fehst im Gespräch mit MieterEcho.
Es gab noch weitere Brände, allesamt Brandstiftung. Ende Dezember 2023 in einem Treppenhaus, Anfang Februar in einem Keller des Hauses Aronsstraße 128. „Es gibt keine verbindliche Aussage, bis wann die Schäden beseitigt sein werden, und keinen verbindlichen Ansprechpartner“, beklagten Mieter/innen des Hauses kurz darauf in einem Brief an den Vermieter. Die Hausverwaltung stelle keinen adäquaten Ersatzwohnraum zur Verfügung und der Bezirk biete nur an, in eine Obdachlosenunterkunft zu gehen. Die Adler Group, mit rund 18.000 Wohnungen in Berlin einer der größten Privatvermieter der Stadt, ist schon länger finanziell in schwerem Fahrwasser. Die Immobilien-Zeitung berichtet, dass 2023 zwei Milliarden Euro Verlust eingefahren worden sind. Die Leidtragenden sind die Mieter. Gespart wird offenbar massiv an der Instandhaltung, außerdem wurden 15-prozentige Mieterhöhungen verschickt. Bei Neuvermietungen werde fast das Doppelte für die Wohnungen verlangt, was sie zahle, berichtet Silke Fehst. Sie und viele andere haben sich inzwischen zur Mietgemeinschaft „Kiez-Initiative Weiße Siedlung“ zusammengeschlossen. Sie schickten im April einen von rund 900 Mietenden aus den rund 1.700 Wohnungen unterzeichneten Brandbrief an das Adler-Management – mit der Beschreibung von zahlreichen Mängeln. Auch eine Demo stellten sie auf die Beine.

