Berliner MieterGemeinschaft e.V.

Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 398 / Oktober 2018

So ein netter Vermieter?

Samwer kauft sich auch in Schöneberg ein

Von Elisabeth Voß

Die Samwer-Brüder, die mit Zalando und Rocket Internet Milliardäre geworden sind, gehen seit einigen Jahren in Berlin auf Immobilien-Einkaufstour. Sie erwarben unter anderem das Ullsteinhaus in Tempelhof, einen Häuserblock im Neuköllner Reuterkiez (MieterEcho Nr. 383/ September 2016), die Uferhallen im Wedding und das Gewerbegebäude in der Skalitzer Straße mit dem Privatclub. Jetzt ist Schöneberg dran.


In einer Pressemitteilung vom 14. Juni 2018 verkündete der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg Jörn Oltmann stolz: „Die Mieter/innen der Hochkirchstraße 12 und 13 sowie der Cheruskerstraße 32 und 32A sind ab sofort besser vor Verdrängung durch Luxussanierung und Umwandlung in Wohnungseigentum geschützt.“ Die Häuser befinden sich im Milieuschutzgebiet Bautzener Straße. Der Käufer hatte gegenüber dem Bezirk eine Abwendungserklärung abgegeben und damit verhindert, dass der Bezirk sein Vorkaufsrecht wahrnimmt.
Erst einen Monat später erfuhren die Mieter/innen in der Hochkirchstraße 12/13 durch ein Schreiben ihrer Hausverwaltung BGV vom Verkauf und dass der neue Hauseigentümer die Livorno GmbH und Co. KG sei. Fast gleichzeitig wurde denen, die zusätzliche Räume auf dem Dachboden mitgemietet hatten, diese kurzfristige gekündigt, weil das Dach ausgebaut werden solle. Auf Abrissarbeiten in zwei leerstehenden Wohnungen im Hochparterre wurde das Bezirksamt erst durch Nachfrage von Mieter/innen aufmerksam. Die Firma Realinvest, vertreten durch deren Geschäftsführerin Heidi-Maja Riese, stellte dann einen Bauantrag, der vom Bezirksamt genehmigt wurde, da es sich lediglich um Instandsetzungen handele, die erhaltungsrechtlich unbedenklich seien. Jetzt ruht die Baustelle und das Haus wird vermessen.
Die Mieter/innen sind beunruhigt und haben einen Verein gegründet. Sie fühlen sich schlecht informiert und sind irritiert, dass fünf Wohnungen leer stehen – teilweise seit über einem Jahr. Sie haben herausgefunden, dass die im März 2018 gegründete Livorno GmbH und Co. KG zum undurchsichtigen Firmengeflecht der Samwers gehört. Haftender Komplementär der Kommanditgesellschaft ist die Augustus Verwaltungs GmbH. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in der Türkenstraße 7 in München, so wie viele weitere Samwer-Firmen. Geschäftsführer der Augustus Verwaltungs GmbH sind Alexander Samwer und Jeremias Heinrich. Beide gründeten 2015 die Investmentgesellschaft Picus Capital GmbH, die in Immobilien, Energie- und Technik-Start-Ups investiert. Heinrich ist gemeinsam mit Felix Fessard Geschäftsführer der UferHallen AG, Fessard ist darüber hinaus auch Geschäftsführer der Augustus Development GmbH. Der Firmensitz beider Projektgesellschaften ist Berlin.

Neuvermietung: 300% mehr Miete

Auf einer Informationsveranstaltung am 27. September stellte sich der 29-jährige Fessard „von der Augustus“ den versammelten Mieter/innen der Hochkirchstraße 12 und 13 als Vertreter der Eigentümer vor. Dieses „Familienunternehmen“ – den Namen Samwer nannte er nicht – wolle die Häuser langfristig halten und nachhaltig bewirtschaften. Mit einlullender Freundlichkeit versicherte er, dass weder Mietsteigerungen noch Modernisierungen geplant seien. Vielleicht einmal eine Zentralheizung, aber nur für diejenigen, die sie auch haben möchten. Leerstehende Wohnungen würden zum ortsüblichen Preis vermietet, und auch im ausgebauten Dachgeschoss würden auf keinen Fall Mieten von 15 Euro/m² verlangt, sondern „Durchschnittsmieten“.
Mieter/innen der Samwer-Häuser in Neukölln berichteten bereits 2017 auf ihrem Blog, dass bei Neuvermietungen die Mieten um bis zu 300% erhöht würden – trotz Milieuschutz. Auf die Frage, wie es denn nun in der Hochkirchstraße weitergehen wird, erklärte Mieter Michael Marx gegenüber dem MieterEcho: „Mein Zuruf an die Damen und Herren Immobilienhaie: Wir sind die Mieter, ihr werdet uns noch kennenlernen. Persönlich werde ich nicht ruhen, bis aus Immobilienhaien Silberfische werden und Betongold rostet.“ Es ist höchste Zeit, dass sich die betroffenen Mieter/innen der Samwer-Häuser in Berlin zusammentun.

Weitere Informationen:
Blog des Vereins der Mieter/innen Hochkirchstraße 12/13: https://hochkirch1213.org
Blog der Samwer-Mieter/innen in Neukölln:
https://unserblockbleibt.wordpress.com


MieterEcho 398 / Oktober 2018

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