Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 388 / Mai 2017

MieterEcho Editorial

MieterEcho Editorial Mai 2017

Liebe Leserinnen und Leser,   

der Mietspiegel ist nicht nur ein Begründungsinstrument für Mieterhöhungen, er liefert auch ein Abbild der Veränderungen des Wohnungsmarkts. Seine Entwicklung stellt sich als eine außerordentlich dynamische Story des Verwertungserfolgs der Immobilienwirtschaft dar.

Seit 2015 haben sich die Bestandsmieten um durchschnittlich 9,4% (0,55 Euro/m²) erhöht, der Mietspiegel 2015 hatte gegenüber 2013 noch eine vergleichsweise mäßige Steigerung von 5,4% (0,30 Euro/m²) ausgewiesen.

Den Spitzenplatz mit +13,1% teilen sich die Vermieter in den guten Lagen mit den Investoren in der Baualtersklasse bis 1918. Die gute Lage ist insbesondere von Mieter/innen gefragt, die derjenigen Einkommensklasse angehören, die vor Jahrzehnten ein Eigenheim im Grünen bevorzugte. Die gegenwärtig erfolgreichen Kreativwirtschaftler/innen und Start-ups brauchen das städtische Ambiente und tragen dazu bei, dass dort, wo sie sich in den Altbauvierteln niederlassen, die Wohnlage Stufe um Stufe ebenso steigt wie der Durchschnitt der Mieten.

Die Altbaubestände bis 1918 in den ehemaligen Arbeitervierteln Friedrichshain, Wedding, Neukölln, Moabit sind immer noch die bevorzugten Objekte der Spekulation. Der     Bevölkerungsaustausch ist in diesen Bezirken in vollem Gang, zustande kommt er unter anderem durch Modernisierungen wie Anbau von Balkonen und Aufzügen und energetische Sanierung – Maßnahmen, die weniger der Wohnwertverbesserung dienen, als vielmehr zur Verdrängung führen. Seinen Ausdruck findet das Geschehen vor allem in steigenden Mieten, abzulesen ist es aber auch – siehe insbesondere Friedrichshain-Kreuzberg – an den Wahlerfolgen der Partei „Die Grünen“.

Die Mieten in den Beständen der Baualtersklasse „1973 bis 1990 (Ost)“ sind mit durchschnittlich 3% nur moderat gestiegen. Das ist kein Wunder, denn die nachholenden Modernisierungen, die gerade in den Plattenbauten in den vergangenen Jahren die großen Mietsteigerungen bewirkten, sind inzwischen abgeschlossen. Zwar ist Marzahn-Hellersdorf längst nicht mehr der Bezirk, in den aus Prenzlauer Berg verdrängte Mieter/innen ausweichen können, weil auch dort Wohnungsangebote knapp geworden sind, aber die Nachfrage steigt nicht in dem Maß wie in anderen Stadtteilen.

Die steigenden Mieten in der Stadt haben ihre Ursache in dem sich ständig vergrößernden Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Die Spekulation kann erst auf dieser Grundlage erblühen. Sie ist ein Ergebnis der Wohnungsknappheit und nicht umgekehrt. In den 1990er Jahren wurde ausreichend gebaut und keine „Partizipation“ argumentierte dagegen mit Verschattung oder der Gefährdung einer Frischluftschneise.    

In diesen Jahren ließ sich der Wohnungsbedarf halbwegs angemessen decken und Umzüge wurden nicht zu einer Existenzfrage. In der gegenwärtigen Regierungskoalition sucht man ein Bewusstsein für diese einfachen Zusammenhänge vergeblich.


IHR MIETERECHO


MieterEcho 388 / Mai 2017

Schlüsselbegriffe: Berliner Mietspiegel 2017, Mieterhöhungen, Wohnungsmarkt, Immobilienwirtschaft, Bestandsmieten, Kreativwirtschaft, Altbau, Modernisierungen, energetische Sanierung, Spekulation

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