Interessengemeinschaft und Beratung für Berliner Mieter
MieterEcho 380 / April 2016

Editorial MieterEcho

Editorial MieterEcho April 2016

Liebe Leserinnen und Leser,

im Koalitionspapier der schwarz-roten Koalition in Berlin wurde 2011 als politisches Ziel der Bau von jährlich 6.800 Wohnungen vereinbart. Das schien gemessen an den Leistungen der gerade abgewählten rot-roten Regierung enorm viel, bezogen auf den bereits seinerzeit festgestellten Bedarf aber viel zu wenig. Der Stadtentwicklungsplan Wohnen prognostizierte 2014 den Bedarf bis 2025 mit 137.000 Wohnungen, also einer jährlichen Bauleistung von ca. 13.000 Wohnungen. Inzwischen sind auch diese Zahlen bereits überholt. Seit Beginn dieses Jahres fordert Senator Geisel mindestens 20.000 neue Wohnungen im Jahr.           

Alle diese Zahlen haben eines gemeinsam: Sie sind politischen Ursprungs, resultieren aus abstrakter Planung oder wahlpolitischem Kalkül. Von der Realität sind sie weit entfernt.

2014 wurden 8.744 Wohnungen fertiggestellt, 2013 waren es ca. 6.000 und in den ersten Jahren der Koalition nur ca. 4.000 Wohnungen.    

Für das vergangene Jahr liegen noch keine Zahlen für fertiggestellte Wohnungen vor, aber es dürften weniger sein als notwendig. Die Folgen illustriert die Fotoreportage über Wohnungssuche in diesem Heft.       

In Wien ist der Wohnungsmarkt in den letzten Jahren ebenfalls enger geworden. Zwar leben noch immer 60% der Wiener/innen in einer von der Stadt geförderten Wohnung, aber Zuzug und verringerte Bauleistungen fordern auch dort verstärktes städtisches Handeln. Als Vorbereitung auf die IBA 2020 fand im Februar eine Konferenz statt, auf der ein vielversprechendes Programm für einen preisgünstigen und vor allem leistbaren städtisch geförderten Wohnungsbau vorgestellt wurde. Diese „Smart-Wohnungen“ können im Stadtinneren auf kleinteiligen Flächen errichtet werden und bieten hohen Wohnkomfort. Ihre Miete liegt einschließlich kalter Betriebskosten unter 7,50 Euro/qm.               

In Berlin hingegen soll der zusätzliche Bedarf für die Flüchtlinge durch Container und sogenannte Modulare Unterkünfte am Stadtrand gedeckt werden, Einrichtungen bei denen die Entwicklung zu Elendsquartieren vorprogrammiert ist.       

Zwischen Wien und Berlin klaffen wohnungspolitische Welten.

 

Ihr MieterEcho

 

 


MieterEcho 380 / April 2016

Schlüsselbegriffe: Koalitionspapier, Stadtentwicklungsplan Wohnen, Senator Geisel, neue Wohnungen, Fotoreportage, Wohnungssuche, Wien, Wohnungsmarkt, geförderten Wohnung, kalte Betriebskosten, Flüchtlinge, Container Modulare, Elendsquartiere

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